Hannes Mlenek und Johann Feilacher
 

Mlenek ist auch als Maler Zeichner. Die oft extremen zeichnerischen Formate werden expressiv niedergeschrieben, betonen das Zeichenhafte und sind nicht nur in der Psyche ihres Schöpfers verankert, sondern auch mit der Physis des Künstlers verbunden. Sie dokumentieren Prozesse, die ihre Höhepunkte haben und dann zum Erliegen kommen. Die weißen Blätter mit ihren Konzentrationen und Verläufen sind Ergebnisse von Prozessen, in denen Mlenek ein Thema in einer Folge von Blättern entfaltet, ein Thema, welches die subjektive psychische und physische Erfahrung in Zeichen objektiviert. So sehr sie ihr Entstehen der Subjektivität verdanken, sind sie sorgfältige, eine aus der anderen hervorgehende, leidenschaftliche und kraftvolle Dokumente dessen, was Goethe als Qualität der Zeichnung schlechthin hingestellt hat. Die Zeichnung sei die reine Darstellung der mentalen Disposition ihres Schöpfers, würde jedoch darüber hinaus auch die Stimmung des Geistes im Moment ihrer Zeugung am reinsten dokumentieren. Die Zeichnungen sprechen von der Sehnsucht des Körpers nach Entgrenzung, der Absicht ein anderer zu werden, die damit einhergehenden Gefühle sich anverwandelnd.


Die Zeichnung wird zu einer abstrakten Bühne der Selbstdarstellung mit dem Wunsch nach Ekstase unter Erreichung einer Einheit und dem Verlust des Subjekts. Mleneks Zeichnungen sind zutiefst expressive erotische Dokumente seiner Verfassung. Ihre Form ist auch symbolischer Ausdruck von elementaren Prozessen. Seismograph der unerfüllbaren Sehnsüchte des Körpers, dem sie entstammen.

Prof. Peter Weiermair, Direktor des Rupertinums Salzburg