Sitz und andere Gelegenheiten

 

Schwerelos

 
Maria Moser

Maria Mosers Malerei ist keine im herkömmlichen Sinn. Sie ist eine Plastikerin der Leinwand, in einem gestischen, fast wilden, intuitiven und auch körperlich anstrengenden Arbeitsprozess entstehen auf ihrenBlättern und besonders auf den meist großformatigen Leinwänden Strukturen sich formender Materie, Energiebündel, archaisch, groß und gewaltig. So gewaltig bricht das Geschehen herein, daß man Distanz hält, spannungsvolle Distanz vor der Hitze, der Glut oder dem Erstarrten.

Eine brodelnde Ursuppe bewegt, formt sich, glühend, erkaltend. Aggressive, reine, fast giftig wirkende Farben und herbe steinige pastose Oberflächen geben nicht nur entsprechende Struktur, sondern zeigen auch vom Willen Mosers, elementare Entstehungsprozesse, Weltprozesse zu visualisieren . Eine Geburtsprozess nicht nur organischer Formen, sondern spannungsvoll wird diese gewaltige Masse menschlichem Form- und Gestaltungswillen unterworfen, in scharf begrenzte geometrische Körper gegossen, gebändigt, geschmiedet. Trotz Erstarrung ist noch immer ein glühender Kern, vulkanisch, lebendig lauernd spürbar.

Hier und da ist die Kraft, besetzt die Welt von irgendwoher, mit den für Maria Moser typischen glühenden magmaartigen Farben, ein vor uns schon geformter, aber noch pulsierender, fast hitze- und energieabstrahlender Gegenstand. Eine plastische Botschaft, zeitlos, bedrohend tödlich und lebendig wärmend zugleich: Sinnbild aller Moser'schen Arbeit. Ein Dialog mit der Innenund Außenwelt des Menschen zwischen Entstehung und Vergänglichkeit, ein spürbarwerden der unendlichen Kräfte des Werdens und Vergehens. Der Mensch kommt in dieser Bildwelt nicht vor, er steht vor den Arbeiten, ist einbezogen durch die ungeheuere Spannung und Faszination und so Teil dieses Dialoges.
Eine magnetische Kraft, Ausstrahlung, der Bann Moser'scher Arbeit.

Gerwald Sonnberger
Museum moderner Kunst, Passau

MARIA MOSER
Maria Moser wurde 1948 in Frankenburg, Oberösterreich geboren.
Von 1968 bis 1973 studierte sie an der Akademie der bildenden Künste, Wien
(Abschluß 1973 mit dem Diplom für Malerei).
Maria Moser lebt als freischaffende Künstlerin in Frankenburg.

Werke im öffentlichen Besitz
Albertina, Wien
Bundesministerium für Unterricht und Kunst
Oberösterreichisches Landesmuseum
Kulturamt der Stadt Wien
Kulturamt der Stadt Linz
Graphische Sammlung Rupertinum, Salzburg
Kunstsammlungen der Veste Coburg
Kunsthalle Nürnberg
Staatsgalerie Stuttgart

Preise und Stipendien
1973 Preis der Österreichischen Länderbank
1977 Förderungspreis des Wiener Kunstfonds Talentförderungsprämie des Landes Oberösterreich
1979 Staatstipendium
1980 Preis beim 17. Österreichischen Grafikwettbewerb in Innsbruck
1987 Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich
1995 2. Preis beim Kiwanis-Druckwettbewerb
1997 Kulturpreis des Landes Oberösterreich

Publikationen
1978 Maria Moser: Katalog " Ägyptische Periode", Text Dieter Schragl
1981 Maria Moser: Schriftenreihe des OÖ. Kunstvereins, Text Peter Baum
1985 Maria Moser: Buch Werke von 80 - 85, mit Texten von Peter Baum, Peter Bürger, Walter Beyer, Lucien Kayser
1986 Maria Moser: Schriftenreihe der Postsparkasse Wien
1990 Maria Moser: Katalog Werke von 85 - 90, Text Traude Hansen
1991 Maria Moser: Katalog zur Ausstellung in der Landesgalerie OÖ., Text Erich Heller
1993 Maria Moser: Buch Papierarbeiten und Dokumentation der Ausstellung Simmering-Graz-Pauker, Text Christof Becker
1994 Maria Moser: "Ferum loquitur" von Alois Brandstätter
1996 Maria Moser: Schriftenreihe Galerie Depelmann, Text Gerwald Sonnberger
1998 Maria Moser: Buch "Bilder und Skulpturen 1991 - 98", Text Peter Assmann
2002 Maria Moser: Buch "Materie in spiritu", Text Björn Engholm