Valentin Oman und Johann Feilacher

Einführende Worte von Linda Kaiser

  www.oman-valentin.com

Vor allem möchte ich Johann Feilacher danken, der mir mit seiner Einladung, einige einführende Worte zu dieser Ausstellung zu sprechen, den Vorwand geliefert hat, wieder einmal in mein geliebtes Österreich zu fahren.
Ich möchte auch allen Anwesenden danken, die zur Vervollständigung des "Bildes" dieses magischen Ortes beitragen, wo wir uns nun befinden.

Ein Atelier, wie es in der Einladung heisst. Eine jahrhundertealte, restaurierte Schreinerei. Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich hier ankam, im vergangenen Mai. Die Sonne stand tief am Horizont.
Die Spuren der Kunst waren eine antike, gelbgetünchte Mauer, ein Innenhof, ein im ersten Stock geöffnetes Fenster und ein Junge im Profil, der zuerst Flöte, dann den Kontrabass spielte. Ich erinnere mich an Schritte auf der Treppe, die, eine Überraschung erwartend, nach oben gingen, Musik lag in der Luft, Leute sprachen miteinander, Duft nach frisch geschlagenem Holz.

Hier verspürt man es, den genius loci. Ohne zu unterscheiden, ob der Ort für die Werke geschaffen ist oder die Werke für den Ort. Der ungebeizte Holzfussboden, die offenen Räume, die Düfte der campagna, alles zeugt von einem besonderen Geschmack, eine Anordnung, die man schon an sich als "Kunst" definieren kann. Und in diesem Ambiente fühlen sich die Werke wohl, zeigen sich dem Besucher von ihrer besten Seite.

Ich möchte nun an dieser Stelle einige einführende Worte sagen zu den beiden Protagonisten des heutigen Abends. So unterschiedlich sie sind, so vereint sie doch der gleiche Rahmen, der Rahmen, den ich gerade versucht habe, zu umreissen.

Ich kannte Valentin Oman vorher nicht. Es war anregend, sich mit ihm zu beschäftigen, ohne a priori beeinflusst gewesen zu sein, ohne eine Mittlerfigur, ohne mit ihm vorher gesprochen zu haben.
Ich habe die Bilder sprechen lassen. Und diese haben sich lesen lassen.
Es handelt sich um Figuren, wie auch Sie sehen können, die aus der Schrift entstehen, Personen, die auf Leinwand und Papier Form annehmen. Mischtechnik, wie es laut Definition heisst. Gemischt ja, aber auch in einem weniger formalistischen Sinne.
Es sind Menschen, die Individuen Omans, abgebildet in einem Übergangsmoment zwischen Sein und Werden. Sie erinnern mich an Körper Michelangelos, unvollendet, zweidimensional abgebildet; sie erinnern mich an die Geste der österreichischen Tradition, an die Ausradierungen eines Arnulf Rainer, wenn Sie wissen, was ich meine. Aber sie führen mich gleichzeitig auch in ein Klima der Begegnung zwischen verschiedenen Kulturen, vor allem der orientalischen.
Nicht zufällig ist Valentin Oman - wie ich seiner Biographie entnehmen konnte - ein Grenzkünstler, dessen Wurzeln sich zwischen Kärnten und Slowenien befinden, zwischen der Erinnerung und der Aktualität, zwischen der Geschichte und unserem - nun mehr denn je - unendlichen menschlichem Schicksal.
 
   
Auch Johann Feilacher stellt sich durch seine starke "Schrift" in das Spannungsfeld des Kunstwerks. Seine ebenso synthetischen wie notwendigen Zeichen wie die Omans sind ins Holz geschnitzt.
Johann kenne ich seit geraumer Zeit und ich betrachte ihn als Freund, zusammen mit Nina, als einen der österreichischen Freunde.
Ich habe ihn vor allem in seiner Tätigkeit als Leiter des Hauses der Künstler in Gugging kennengelernt, und erst später entdeckte ich rein zufällig, dass er auch Künstler ist. Ich habe seine Tätigkeit verfolgt, auch ich wollte seine Werke (gibt es ein besseres Signal als dieses, wenn man an einen Künstler glaubt?) und so bin ich also hier.
Feilacher findet in der Natur Bestätigung für sein Werk, manchmal ist er fast bereit für eine finale Geste. Ein gefangener Geist, der nach Ausdruck verlangt. Und Johann weiss zu unterscheiden, verspürt augenblicklich, "transformiert die Formen", die natürlichen mit wenigen Aktionen; spaltet das Holz, indem er ihm entgegenkommt, verfolgt seine Maserung, schafft schneidend andere, neue, hebt die Knoten hervor, lässt den würzigen Harz fließen.
Die Elektrosäge, die der Künstler zusammen mit der Schutzmaske (eine rituelle Maske?) benutzt, ist keine gewalttätige Waffe. Es ist das Werkzug, das dem Pinsel Omans entspricht. Es ist ein Schreibmittel, das das Holz zu anderen Dynamiken führt und sich in eine Bewegung einfügt, die jedenfalls ein zeitliches Kontinuum bildet. Zur Natur kehrt dann das Werk zurück, zur gleichen Natur, die es hervorgebracht hat. Das Werk ist für Feilacher nie beendet, es ist immer im Werdegang, es ist ein Prozess, der alle involviert. Physisch und geistig.

Vielleicht können wir hier die Forschungsarbeiten von Brancusi zitieren. Denn der rumänische Künstler, der auch in Wien wirkte, zielte auf einen ursprünglichen Kern, auf eine prähistorische, pure Form. Erinnern Sie sich an seine Unendlichen Säulen? Nicht umsonst spielte der Titel dieser Werke darauf an, wie offen die Frage des Kunstwerks war, des Kunstwerks, das durch eine progressive und systematische Eliminierung der attributiven Accessoires entstanden ist.
Auch Johann Feilacher zielt immer mehr auf die Essenz und die Kurvenlinien seiner noch lebendigen Baumstämme, mit der Oberfläche aus nacktem, unbehandeltem Holz, das sich im Wind unsere Illusionen wellenförmig bewegt. Illusionen, die die Kunst zum Glück so magischen Momenten und so magischen Orten wie diesen zu nähren weiss.

Linda Kaiser ist Kunstkritikerin aus Genova