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Jetzt wird geheiratet!
Wer den ersten Reisebericht aus 2004 auch nur im Ansatz gelesen hat, weiß, daß unser ursprünglicher Plan, diese Reise mit einer Hochzeit in Las Vegas zu verbinden, relativ schnell erledigt war.
Zu Hause war die Enttäuschung noch für einige Wochen ziemlich groß und wir beide wußten gar nicht so recht, wie wir mit der Situation umgehen sollten. Auf alle Fälle behielten wir die Details für uns und erzählten nur vom Diebstahl aber nichts von der verlorenen Gelegenheit.
Nachdem wir uns zuhause die Papiere neu besorgt hatten und mit einer Bekannten sprachen, die auch in Las Vegas geheiratet hat, kam uns die Idee den Resturlaub mit einer kleinen Herbstreise nach Amrika zu verbinden!
Da wir jetzt weniger Zeit haben um den Papierkrieg ordentlich zu erledigen, buchen wir die Reise wie üblich im dem wir und die Tickets und den Mietwagen im Reisebüro reservieren lassen. Das Hotel Orleans buchen wir übers Internet und die anderen Hotels/Motels besorgen wir uns nach Bedarf vor Ort. Diese Taktik wird sich auch als sehr gute Idee herausstellen! Daneben wenden wir uns auch an die Jähnigs in Las Vegas und bitten per e-mail um ein paar Vorschläge für ein
So organisiert stand einem neuerlichen Versuch einer Hochzeit nichts mehr im Wege und das schöne dabei war, daß zu Haus nach wie vor niemand davon wußte!
Tag 1 - San Bernadino
Heute wird geflogen. Da die Reise kurz ist, wollen wir dieses Mal Salzburg als Start- und Endpunkt der Flugreise nehmen. Früh morgens bringt uns das Taxi die paar Minuten zum Flughafen und wenig später finden wir uns auch schon in Frankfurt am Main wieder. Nach einer elendig langwierigen Ansteherei wegen der verschärften Sicherheitsvorkehrungen gelangen wir auf den Direktflug nach Los Angeles und träumen von den bevorstehenden Abenteuern. Am späten nachmittag haben wir endlich unseren Mietwagen, einen goldenen Chevy - offenbar gibt es in den USA nur mehr goldfarbenen Autos - und fahren im Abendverkehr noch weiter nach San Bernadino, wo wir uns ein Motel suchen. Abendessen wollen wir eigentlich keines mehr und so bleiben wir am Zimmer und schlafen auch relativ schnell ein.
Tag 2 - Calico Ghost Town
Heute sind wir - genau so wie erwartet - verdammt früh munter. Noch vor 5 Uhr haben wir unsere sieben Sachen wieder gepackt und ins Auto verfrachtet. Nach einem Express -Check-Out suchen wir uns eine offene Tanke um das Auto mit Kraftstoff und uns mit Kaffee und einem Candy Bar zu versorgen. So gestärkt machen wir uns auch gleich auf in die San Bernadino Mountains und erleben dort in luftiger Höhe einen zwar kühlen aber super-schönen Sonnenaufgang. In der Morgendämmerung sehen wir von Palm Springs bis raus auf die Smoghaube über Downtown LA und mit den ersten Sonnenstrahlen sehen wir tief unter uns auch den Lake Arrowhead wie einen Spiegel schillern. Wenig später erreichen wir auch den Big Bear Lake, den wir gemütlich umfahren. Da es noch ein wenig früh für Frühstück ist, beschliessen wir über das kleine Randgebirge raus in die Mojave Wüste zu fahren. Die Strecke ist ausserordenlich spektakulär. Zum einen durch den Übergang von der grünen Seenlandschaft im Gebirge auf die braungelbe Wüstenlandschaft der Mojave, zum anderen von den frischen Temperaturen am Bergsee knapp um den Gefrierpunkt auf kaum unter 30 Grad eine Stunde später. Der Weg führt uns auch vorbei an alten, fast verlassenen Anbaugebieten am Wüstenrand, wo man vor allem umgestürzte Palmen und vertrocknete Felder sieht. Wenn man durch so eine Landschaft fährt wird man fast ein wenig melancholisch, vor allem wenn man an die menschlichen Schicksale denkt, die mit solch einer kargen Landschaft verbunden sind.
Jetzt doch schon ein wenig vom Hunger gepeinigt suchen wir uns ein Diner in Barstow wo wir mit einer Frisch gestärkt machen wir uns dann auch auf um die 'Geisterstadt' Calico zu besuchen. Wer Geisterstädte wie Rhyolite oder Bodie kennt, vielleicht sogar solche wo es kaum noch Überbleibsel gibt, die an eine Ansiedlung erinnern, der erlebt Calico wie ein 'Disneyland' der Geisterstädte. Ähnlich beeindruckend vielleicht wie Tombstone oder ähnlichem. Dennoch hat auch Calico seine Reize und wir verbringen einen sehr angenehmen Vormittag zwischen dem 'First Shooting of the Day' und kleinen Happen aus den renovierten Stores vor Ort. Da Calico an einem Berghang liegt ist das Durchwandern des Ortes auch ein wenig anstrengend und so freuen wir uns nach ein paar Stunden Fußwegs auch wieder auf ein paar Kilometer im Auto.
In Baker machen wir auch gleich wieder Zwischenstopp. Wir machen Lunch im Diner und versuchen unseren Flüssigkeitshaushalt nach den Umstellungen durch den langen Flug, die Zeitumstellung und den Aufenthalt im Wüstenklima wieder in den Griff zu bekommen.
Zwei Stunden später sind wir dann auch schon im 'Anflug' auf Las Vegas. Leider ist es noch zu hell um die Stadt im Lichterglanz zu sehen. So fahren wir direkt zu unserem Hotel dem Orleans. Wir duschen kurz und melden uns dann telefonisch bei unserer Heiratsagentur. Da dort niemand erreichbar ist, fahren wir noch einmmal in die Stadt. Auf dem Weg durchs Hotel treffen wir auf eine Unmenge Cowboys mit richtig dreckigen Stiefeln, die sich nicht scheuen den Teppichboden zu versauen. Wie wir bald erfahren findet an dem Wochenende eine PBR Veranstaltung in der Arena des Orleans statt. Da wir in Western Outfits heiraten wollen fahren wir zu einem Sheplers und finden uns dort in knapp zwei Stunden das Richtige zum Anziehen. Geschlaucht vom Tag fahren wir nach einem kleinen Happen zurück ins Orleans. Auf dem Zimmer leuchtet das Message Lämpchen auf dem Telefon auf und ich erfahre, dass die Jähnigs unsere Nachricht auf der Mobilbox bekommen haben, jetzt wissen, wo wir wohnen und uns am übernächsten Tag beim Hotel um 11 Uhr abholen. Wir sollten am Zimmer sein und dann an die angegebene Rezeption kommen... So einfach ist das Leben in Nevada!
Mit der Versicherung, dass dieses mal alles gut zu gehen scheint, schlafen wir auch zufrieden ein.
Tag 3 - Route 66
Heute haben wir keinen Stress. Dennoch sind wir früh wach und werden den Tag für einen kleinen Ausflug nützen. An einer Tanke holen wir Benzin und Kaffee und machen uns dann über den Hoover Dam und Kingman auf nach Seligman. Dort möchte ich mich bei Angel Delgadillo für den morgigen Tag rasieren lassen. Leider haben wir ein wenig Pech. Erst ist Angel nicht da und wir schauen uns im Shop ein wenig um und halten Tratsch mit Angels Frau die uns von den schwierigen Zeiten ihrer beider Jugend erzählt. Dann erscheint Angel aber doch noch, leider gleichzeitig mit zwei Bussen voller Japaner die den Shop und auch das ganze Städchen unter Beschlag nehmen. An eine gemütliche Rasur ist damit nicht mehr zu denken. Leider kommt dann auch ein Bus nach dem nächsten daher und ich muss von meinem Plan abrücken. Nicht übermässig frustriert - ich war mir nicht sicher, dass Angels alte Hände mit der scharfen Klinge auch sicher umgehen werden - fahren wir auf der Historic Route 66 zurück nach Kingman. Die 'weltberühmten' Grand Canyon Caves lassen wir ganz locker links liegen, dafür besuchen wir in Kingman das Museum im alten Railroad Depot und finden ein schönes Plätzchen zum Lunchen in Mr. D's Diner gleich über die Strasse. Ganz toll finden wir die Einrichtung und die Speisekarten die absolut 50's Style sind. Auch die Auswahl der Speisen und Getränke mutet historisch an. Frisch gestärkt fahren wir über den Sitegraves Pass weiter nach Oatman. Zwei Zwischenstopps auf der Strecke zeigen uns die Vielfalt der Wüste und der Route 66. Ich habe Gelegenheit mit einem echten Miner zu sprechen, der gerade seinen Claim checkt. Auf den Sitegraves Pass denke ich an die 'Früchte des Zorns' von Steinbeck und kann mir die Strapazen der Migranten mit ihren klapprigen Fahrzeugen und den wenigen Habseligkeiten richtig vorstellen. Oatman selbst ist fast schon wieder so ein Vergnügungspark wie Calico. Ganz begeistert sind wir von den Burros (Eseln) die die Strasse bevölkern und nicht nur geduldet sondern als Touristenattraktion auch richtig verwöhnt werden. Oatman bietet ein wenig Western Flair und ganz viel Kitschläden und Souveniershops. Bald hinter Oatman überqueren wir den Colorado, von dort fahren wir weiter auf dem Interstate nach Westen um dann auf der 95 nach Norden zu fahren. Da die Strecke eigentlich recht langweilig ist, beschließen wir in Searchlight noch einmal nach Westen abzubiegen um über den Joshua Tree Highway und Nipton auf den Interstate 15 zu gelangen. Vorbei an Primm und Jean schaffen wir es endlich in der Abenddämmerung auf Las Vegas zuzusteuern. So haben wir einen tollen Eindruck vom Lichtermeer das diese Stadt berühmt macht. Auch der Versuch die Jähnigs am Telefon zu erreichen ist erfolgreich und wir sind froh, dass wirklich alles in Ordnung ist. Am Abend nehmen wir den kostenlosen Shuttle zum Strip und besehen uns das Venetian, das Paris und das Bellagio. Nach einem ziemlich anstrengenden und langen Tag machen wir uns mitten in der Nacht wieder auf um den Shuttle zurück zum Orleans zu erreichen.
Tag 4 - Hochzeitsglocken
'We are going to the chapel and we are going to get married' - selten beschreibt eine Zeile eines Schlagers besser den Tagesablauf!
Obwohl die Nacht ziemlich lang war werden wir wieder einmal früh munter - und sind richtig angespannt. Wir laufen durch das Hotel und trinken Kaffee, an Frühstück ist nicht zu denken. Also machen wir uns noch vor 9 Uhr auf um einen Beauty Salon zu finden der meiner Frau bei den Vorbereitungen helfen kann. Leider findet in Las Vegas das Leben eher in der Nacht statt und so finden wir keinen Salon der von 9.30 öffnet. Das ist uns aber wieder zu spät und so erstehen wir die notwendigen Artikel in einer Mall und fahren zurück ins Orleans. Hektisch und nervös erledigen wir den kosmetischen Teil der Hochzeitsvorbereitungen und ziehen uns an. Um 11 Uhr wird das Telefon läuten und wir werden heiraten - und mindestens 15 Minuten starren wir auf das Telefon und hoffen auf das Klingeln. Unserer Nerven liegen blank und als es endlich um 5 vor 11 !!! zu läuten beginnt sind wir echt froh nicht noch länger warten zu müssen. Freundlich empfängt uns Siglinde an der Rezeption, ganz leicht zu erkennen an der Bouttoniere und dem Brautstrauss in ihrer Hand. Wir stellen uns kurz vor und schon sitzen wir in einer Stretch-Limousine. Siglinde hat die Papiere soweit als möglich vorbereitet und liest uns auf dem Weg zum Gericht die Anträge vor und wir müssen nur noch unterschreiben. Auf der Treppe vor dem Gericht setzt uns unser Fahrer ab und verspricht in 20 Minuten wieder vor Ort zu sein. Gemeinsam mit Siglinde 'kaufen' wir uns die Heiratslizenz, die es uns in den nächsten 12 Monaten ermöglichen wird in ganz Nevada zu heiraten. Doch so weit müssen wir gar nicht mehr fahren. Wie versprochen holt uns unsere Limo wieder ab und nach ein paar Minuten und super aufgeregt erreichen wir die 'A Special Memory' Chapel. Wie schon im Hotel hat meine Frau in der Warteschlange auf dem Gericht ein kleines nervliches Tief durchwandert - Aufregung schlägt bei ihr recht schnell auf den Magen und sie hat dann mit Übelkeit zu kämpfen, aber wir sind glücklich und gesund an der Chapel angekommen. Kurz dachten wir auch an eine Heirat in einem Helikopter über dem Strip, aber aus vorgenannten Gründen entschieden wir uns für eine erdgebundenere Lösung.
Da waren wir also und trafen so auch Frank, den Mann von Siglinde, damals Fotograf und Trauzeuge, mittlerweile auch staatlich lizensierter Trauungsminister.
Nach einer kurzen Vorstellung wurde uns der Ort des Geschehens gezeigt und auch unsere Ministerin, Mary Stapleton stellte sich uns vor. Schnell wurden die letzten Vorbereitungen getätigt und die letzten Punkte besprochen und schon war es Zeit fü r unsere Hochzeit am
Drive-Up-Window
Äh, ja - genau, wir haben uns für eine Heirat am Drive Up Window entschieden! Den Ausschlag dafür hat aber nicht die Nähe zu Fast-Food Ketten gegeben sondern die Möglichkeit im Auto zu heiraten. Und so wechseln wir auf die hintere Bank eines AMG Cabrios (wir hatten auf einen Oldtimer gehofft, gaben uns aber mit Franks Liebling auch gleich zufrieden) und schon konnte die Zeremonie beginnen. Mary hielt eine tolle Ansprache und der offizielle Teil war genial romantisch. Siglinde bot an im Notfall zu übersetzen, was aber nicht notwendig war und Frank machte die Hochzeitsfotos. Nach mehr als 20 Minuten! Trauung waren wir endlich Mann und Frau und wir konnten uns küssen - begleitet von hupenden und winkenden Menschen, die auf der nahen Strasse entlang fuhren.
Glücklich und zufrieden machten wir nach der Trauung die Rechnung. Wir bekamen auch unsere Erinnerungsnummerntafel, eine Schmuckurkunde und das Versprechen, dass die Fotos und die CD-Rom um ca. 22:00 an der Rezeption des Orleans abgegeben werden. Die Apostille die und die Heiratsurkunde würden wie besprochen innerhalb von ein paar Wochen postalisch folgen.
Als frisch gebackenes Ehepaar verliessen wir unsere Wedding Chapel, nach einem neuerlichen kurzen Fotoshooting wieder in unserem etwas zu langen Lincoln Town Car.
Im Hotel beschlossen wir unsere aussergewöhnliche Hochzeit auch mit einem aussergewöhnlichen Rahmenprogramm zu vervollständigen. So machten wir uns auf zu unserem Auto und dann auch gleich in Richtung Valley of Fire. Das hatte uns schon im Frühsommer begeistert und wir wollten uns dort einen angenehmen Nachmittag machen. Es sollte sogar noch besser kommen. Beim Visitor Center sahen wir schon die Drehlichter von Polizeiautos. Wir näherten uns und hielten an. Ich ging zu den Officers die neben ihren Cruisern eher gelangweilt warteten ob die Strasse gesperrt sei. Zur Auskunft bekam ich, dass es Werbeaufnahmen gibt, und die Besucher in Konvois durchgelassen werden. Die wenigen Minuten Wartezeit verkürzten wir uns mit einem Plausch mit den Polizisten. Bald konnten wir weiter und sahen bald einen Ford GT mit begleitendem Kamerafahrzeug. Wir dachten, dass dies wohl der Grund für den Stau war, wurden aber gleich darauf durch eine neuerliche Anhaltung gestoppt. Auch hier fanden wir bald den Grund heraus. Versteckt, aber nicht gut genug, war eine neuer Mercedes ML der gerade für die Markteinführung gefilmt und fotografiert wurde.
Auf Grund der zunehmenden Bewölkung hielten wir uns schlussendlich nicht allzu lange im Valley of Fire auf. Die Farben waren für Fotos leider schon zu flach und so beschlossen wir auf der Südroute entlang des Lake Meads zurück nach Las Vegas zu fahren. Diese Entscheidung war eine gute! Zuerst trafen wir auf einige Vogelspinnen, die die Strasse querten und sich auch aus nächster Nähe fotografieren ließen und dann fuhren wir in einen Sonnenuntergang hinein, der keinen Vergleich scheuen muß. Dann kamen wir nach Henderson und durch die einsetzende Dunkelheit hatten wir auch noch geniale Ansichten von Las Vegas.
Um den Tag ganz abzurunden machten wir unsere Hochzeitstafel zu einem weiteren Highlight. Auf eine geeignete Lokalität hatten wir uns über Monate nicht einigen können uns so fanden wir uns bald in einem Sizzler bei Ribeye Steak und Fettuccini Alfredo wieder. Vielleicht nicht der erste Gedanke wenn man an ein Hochzeitsessen denkt - für uns war es an diesem Tag das perfekte Dinner!
So gestärkt kamen wir zurück ins Orleans und pünktlich traf das Paket mit unseren Bildern ein. Schöner und gelungener hätte unsere Hochzeit in Las Vegas nicht sein können! Wir beide können eine solche nur empfehlen, vor allem wenn man in einem sehr privaten Rahmen heiraten möchte.
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