Volksetymologie (22.12.2004) Ad-vent, engl./lat. svw. Schaufenster;
zus.ges.Hptw.; ad: engl. Abk f. advertisement, Inserat, Anzeige; vent.:
Verballh. lat. fenestra, Fenster. möglws. beeinfl. (Schreibw.!)
v. engl. venture, Wagnis Schwarze Gedanken (30.11.2004) Das war eine Woche! Zuerst zaubert
Herr Strasser, nachdem seine Vorschläge zum Thema Asylrecht nur auf eher
verhaltenen Applaus gestossen waren, eine hochoffizielle und daher natürlich
seriöse Statistik seiner eigenen Behörde hervor, die andeuten sollte,
dass 40% der Asylwerber Schwerverbrecher wären. Rettungsanker (12.10.2004) Fast wäre die neue Nobelpreisträgerin
in den Abgrund patriotischer Kanonisierung gerutscht. Fast. Denn auf Helene
Partik-Pablé ist Verlaß: man dürfe "nicht vergessen, dass Elfriede Jelinek Österreich
seit Jahren genußvoll in den Dreck zieht" meinte sie als erste Reaktion auf
die Verleihung. Na, wenigstens eine, die die Ehre Jelineks rettet. "Kurti bleib!" (5.10.2004) Das hab ich vor 17 Jahren geschrieben
-- gemeint hatte ich damals Kurt Waldheim, der soviel für die Aufarbeitung der
österreichischen NS-Geschichte getan hat wie kaum einer. Aber damals wollten
alle meine Freunde, das er zurücktritt -- nur ich nicht. Vaterland, lieb
sein! (29.6.04) Neulich kam mir das schöne Lied “Lieb
Vaterland, magst ruhig sein!” in den Sinn. Und ich machte mir Gedanken darüber
was will uns dieses Zeile sagen? Und ich erkannte die subtile Art der
Subversion darin. Nach der Wahl (26.4.04) Wer den Auftritt dieser kleinen Jubeläffchen
bei Ferrero-Waldners Wahlniederlage erlebt hat, die so gebrüllt haben, als hätte
ihre Kandidatin gesiegt, oder sich nur mehr wunderte, daß jedes ÖVP-Statement
mit der Behauptung eingeleitet wurde, die Kandidatin hätte 15% aufgeholt --
ohne daß auch nur irgendwer versucht hätte, diese Behauptung zu belegen --,
fragt sich schon sehr, ob die Beteiligten vor der Kamera eigentlich noch irgendeinen
Bezug zu Realität oder Interview-Frage haben, oder ob sie einfach nur ein Programm
abspulen, wie ihnen vorher geheißen. Bei diesen Inszenierungen scheint es selbstverständlich
zu sein, daß alle nach der Pfeife irgendwelcher Stilberater und Spindoktoren
tanzen -- von den Jubeläffchen bis zum Kanzler. Der österreichische
Weg (3.4.04) "In Deutschland nahmen 400.000 Menschen
an den Protesten teil. In Rom legten Demonstrationen von Pensionisten den Stadtverkehr
lahm." ... "Der ÖGB verzichtete auf eine eigene Demonstration und lud zu einer
Informationsveranstaltung." Katastrophen (9.3.2004) Was ist schlimmer für die Bundesparteiführung
der FPÖ als die Niederlage bei den Salzburger Landtagswahlen? Der Sieg
in Kärnten! Bildungsprogramm
(1.3.2004) Es stimmt einfach nicht, daß der
ORF seinen Bildungsauftrag nicht erfülle. Das Fernsehprogramm des staatlichen
Senders gibt mir immer mehr Zeit zum Lesen. Auffällig abwesend (23.2.04) Beim Opernball rauschten die Roben,
ein Baumeister machte sich lächerlich und die Prominenz gab sich ein Stelldichein.
Man mußte einfach dabei sein, wenn man in den Medien präsent sein wollte. Nur
einer schaffte das Kunststück, dadurch aufzufallen, daß er nicht anwesend war:
Heinz Fischer. Neulich im Radio (13.1.04) Heinz Fischer auf die Frage nach
seinem Verhältnis zur Religion: "Ich bin Agnostiker!" Der Professor spricht
(18.11.03) ,,Wenn ich mich recht entsinne, wird
es schon zwei, drei Jahre her sein, daß wir stärker für die 35-Stunden-Woche
eingetreten sind. Ich sage es ganz offen: Als Ökonom gehört mein Herz dieser
Forderung nicht.‘‘ Alexander Van der Bellen, Interview in WoZ 46/03. Kommentar
überflüssig. Zu spät (5.11.03) "Der Hauptunterschied ist: Die
Schweiz ist nicht in der EU." Jetzt bleibt nur noch die Frage zu
klären, warum führende ÖVP-Politiker solche Aussagen nicht vor
der EU-Volksabstimmung getätigt hatten. Schlecht angelegt
(21.11.03) Manchmal werde ich gefragt, warum
ich nicht Gewerkschaftsmitglied bin. Seit dem letzten ÖGB-Bundeskongreß habe
ich eine Antwort mehr parat: Weil ich keine Lust habe, eine Organisation zu
unterstützen, deren Vorstellung von Pensionssicherung sich nur durch ein paar
Beistriche von der der jetzigen Regierung unterscheidet. Der ÖGB hat keine Probleme
mit einer Formel ‘‘80-45-65" an die Öffentlichkeit zu gehen - soll heißen: Man
kriegt gnädigerweise 80% Ruhensbezug, wenn man bis zum 65er 45 Versicherungsjahre
angesammelt hat - natürlich bei voller Durchrechnung. Und als Drüberstreuer
läßt man sich dafür auch noch vom Lieblingspensionsexperten der Regierung, Theodor
Tomandl, loben und stellt dieses Lob auf die ÖGB-Webseite. Sicher, beschlossen
worden ist dieses Paket am Bundeskongreß nicht. Die Tatsache, daß diese Dinge
am Kongreß zwar diskutiert wurden, aber kein Konsens erzielt worden war, erfährt
man aber nicht auf der Webseite. Die Reden des Bundespräsidenten und
eines Bischofs darf man dort nachlesen. Debattenbeiträge von Kongreßdelegierten
findet man hingegen nicht. So steht die staatstragende Fiebervision ‘‘Österreich-Pension’’
des Herrn Verzetnitsch unhinterfragt und irreführenderweise als ‘‘das Pensionsmodell
des ÖGB’’ auf der Homepage. Und die Mär von der Unfinanzierbarkeit des bisherigen
Pensionswesens findet ihre Bestätigung durch den doch so regierungskritischen
Gewerkschaftsbund. Wen wundert es da, wenn sich die
Menschen denken, daß ihr Gewerkschaftsbeitrag vielleicht doch besser als Zuschuß
zu ihrer privaten Zusatzversicherung investiert ist. Kein Kommentar
(30.9.03) Soll man Wahlen kommentieren, die
genauso ausgegangen sind, wie man es erwartet hat? Und soll man Kommentare kommentieren,
die sich genauso anhören, wie man es erwartet hat? Das einzige was man da sagen kann,
ist: Gratulation an die KPÖ! Von 0,1% auf 0,7% in Tirol ist prozentuell gesehen
absolut das beste Ergebnis aller Parteien. Doch bringt halt leider nicht mal
ein Platzerl in der Linie von nichtssagenden Politiker-Gesichtern, die wir uns
nach jeder Wahl im Fernsehen anschauen dürfen und die dann der Reihe nach gefragt
werden, was sie zu diesem Wahlergebnis sagen. Da sehnt man sich zurück an die hochphilosophischen
Interviews mit Toni Polster oder Herrmann Mayer. "Wenn man sich die Umfragen
so ansieht, muß man sagen, daß ihre Partei die wichtigsten Zehntelprozent wohl
im letzten Wahlkampfabschnitt verloren hat" - "Naja, wir haben unser Bestes
gegeben, aber der Wahlzettel ist eckig und die Wahllokale schließen um 17 Uhr
- und das Verhalten des Gegner war halt auch unfair." Wer wundert sich da noch,
daß es ORF-Redakteure gibt, die zwischen Politik- und Sportberichterstattung
hin- und herpendeln...? Ein Ehrengrab
für Hitler (23.9.03) Die Mariahilfer Bezirks-FPÖ hat ein
Prinzip: ‘‘Für uns gilt der Grundsatz de mortuis nihil nisi bene - Vom Toten
rede nur Gutes’’ so die Bezirksräte Harald Vilimsky und Hubert Grillmayer kürzlich
in einer Aussendung. Gemeint hatten sie, daß sie nicht einsehen, warum der Wehrmachts-Offizier
Walter Nowotny kein Ehrengrab der Gemeinde Wien mehr hat. Ich warte jetzt darauf,
wer sonst noch aller nach Ansicht der Mariahilfer FPÖ ehrengrabwürdig ist. Ein
guter Kandidat wäre da ja wohl der GröFaZ himself. Schließlich ist der ja auch
schon tot. Westenthalers
Erben (23.6.03) Gerademal zwei Jahre ist es her,
daß Peter Westenthaler sich den Titel ‘‘Fingerprinz’’ einhandelte, als
er vehement die Einführung biometrischer Merkmale für die österreichischen Reisepässe
forderte. Damals wurde das als typisch für eine rechtsextreme Partei angesehen.
Jetzt haben die Hohen Herren der EU genau das für die gesamte Union beschlossen
- und niemand scherts! Notwendige Modernisierung
(15.4.03) Der Krieg zwischen den USA und dem
Irak ist vorbei - oder irgendwie so ähnlich. Dennoch sollte man da mal prinzipiell
darüber reden. Denn die Kriege dieser Welt sind einfach äußerst rückständig.
Auf jeder Zigarettenpackung steht drauf, daß der Inhalt die Gesundheit gefährden
kann, Kriege hingegen werden immer noch ohne Warnhinweise geführt. Und eine
Umweltverträglichkeitsprüfung würden diese Kriege auch nie bestehen. Ich bin
der Meinung: Nachdem heutige Kriege bereits so menschenrechtsfreundlich geworden
sind und keine zivile Opfern mehr fordern, wird es langsam Zeit, hier auch gewisse
Umwelt- und Gesundheitsstandards einzuführen. Denn ich bin für wirklich saubere
Kriege!
Beleg: Hannover Spotlied (18.Jh): "Adfenet, Adfenet, de Wyenahtsbeleuhtung brenet",
heute noch in seiner euphemistischen Form als Kinderlied bekannt.
Definition erstellt nächtens bei Punsch und Bildschirmschein, nach den
Meldungen über die Bilanz der Einkaufssamstage, den Warnungen der Schuldnerberatung
und dazwischen einigen Werbespots, die wir dank der Segnungen des Rundfunks
geniessen durften.
Dann lehrt uns Herr Schüssel im Pressedienst seiner Partei, was man unter
"Offenheit" zu verstehen hat: "Ein offenes Land wie Österreich
kann auch von den Flüchtlingen verlangen, dass sie sich in Österreich
einfügen, die Sprache lernen und Interesse für die Kultur haben".
Und zuletzt erklärt uns Frau Gehrer, dass die Leseschwäche an den
Schulen aus dem hohen Ausländeranteil resultiert.
Die Ausländer sind an allem schuld. Und die ÖVP ist eine ehrenwerte
Partei.
Auch dem Krenn würde ich gerne zurufen, uns treu zu beiben, aber leider: Seine
Tage sind gezählt. Dabei war er doch wohl der beste Agitator des Atheismus,
den man sich wünschen kann.
Doch ein Krenn läßt die Seinen nicht im Stich. Westbahn-Kurti erklärte, als
emeritierter Bischof sei er nach dem Kirchenrecht "in der Diözese nach dem Bischof
der Zweite". Das heißt, er will uns so bald nicht ver lassen und hat sein letztes
starkes Wort noch nicht gesprochen.
Kurti, danke!
Als ich nämlich ein kleines Kind war, sagte man mir — wenn ich meiner Umgebung
lästig fiel —: “Magst jetzt bitte einmal ruhig sein!?!!”
Die zitierte Liedzeile könnte man daher etwas weniger poetisch formuliert folgendermaßen
verstehen: “Vaterland! Gusch!!!”
Daß Politiker keine Niederlagen akzeptieren können, ist ein alter Hut. Jedoch
erinnere man sich, daß einmal ein AK-Präsident gehen mußte, weil er die Wahlniederlage
zu einem “ganz, ganz großen Erfolg” umjubeln wollte -- ist das schon so lange
her? Oder ändert sich die Zeit heute schon rascher als sie vergeht?
Früher hat man auch mal von der “Ästhetisierung der Politik” geredet. Heute
tut das keiner mehr -- erstens weil ohne Unterschied alle nett und erfolgreich
und schön sein wollen und zweitens, weil man das ja nun wirklich nimmer schön
nennen kann.
Ö1-Kurznachrichten, Sa, 3.4.
Tu felix austria, informiere...
Sollte er zum Bundespräsidenten gewählt werden, wird er 2005 wohl hingehen müssen.
Der Arme, aber besser er leidet unterm Frackzwang, als wir 6 Jahre lang unter
Ferrari-Waldheim...
Die darauffolgende Frage des Interviewers: "Gehören Sie einer Kirche
an?"
Wer überzählige Fremdwörterbücher besitzt, möge sie
bitte im Funkhaus in der Argentinierstrasse abgeben.
Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa zur Frage, warum sich Österreichs
Nachbar leichter tut in der Bekämpfung des übermäßigen
Transitverkehrs. (Standard 5.11.03)