Neuigkeiten

Volksetymologie (22.12.2004)

Ad-vent, engl./lat. svw. Schaufenster; zus.ges.Hptw.; ad: engl. Abk f. advertisement, Inserat, Anzeige; vent.: Verballh. lat. fenestra, Fenster. möglws. beeinfl. (Schreibw.!) v. engl. venture, Wagnis
Beleg: Hannover Spotlied (18.Jh): "Adfenet, Adfenet, de Wyenahtsbeleuhtung brenet", heute noch in seiner euphemistischen Form als Kinderlied bekannt.
Definition erstellt nächtens bei Punsch und Bildschirmschein, nach den Meldungen über die Bilanz der Einkaufssamstage, den Warnungen der Schuldnerberatung und dazwischen einigen Werbespots, die wir dank der Segnungen des Rundfunks geniessen durften.


Schwarze Gedanken (30.11.2004)

Das war eine Woche! Zuerst zaubert Herr Strasser, nachdem seine Vorschläge zum Thema Asylrecht nur auf eher verhaltenen Applaus gestossen waren, eine hochoffizielle und daher natürlich seriöse Statistik seiner eigenen Behörde hervor, die andeuten sollte, dass 40% der Asylwerber Schwerverbrecher wären.
Dann lehrt uns Herr Schüssel im Pressedienst seiner Partei, was man unter "Offenheit" zu verstehen hat: "Ein offenes Land wie Österreich kann auch von den Flüchtlingen verlangen, dass sie sich in Österreich einfügen, die Sprache lernen und Interesse für die Kultur haben".
Und zuletzt erklärt uns Frau Gehrer, dass die Leseschwäche an den Schulen aus dem hohen Ausländeranteil resultiert.
Die Ausländer sind an allem schuld. Und die ÖVP ist eine ehrenwerte Partei.


Rettungsanker (12.10.2004)

Fast wäre die neue Nobelpreisträgerin in den Abgrund patriotischer Kanonisierung gerutscht. Fast. Denn auf Helene Partik-Pablé ist Verlaß: man dürfe "nicht vergessen, dass Elfriede Jelinek Österreich seit Jahren genußvoll in den Dreck zieht" meinte sie als erste Reaktion auf die Verleihung. Na, wenigstens eine, die die Ehre Jelineks rettet.


"Kurti bleib!" (5.10.2004)

Das hab ich vor 17 Jahren geschrieben -- gemeint hatte ich damals Kurt Waldheim, der soviel für die Aufarbeitung der österreichischen NS-Geschichte getan hat wie kaum einer. Aber damals wollten alle meine Freunde, das er zurücktritt -- nur ich nicht.
Auch dem Krenn würde ich gerne zurufen, uns treu zu beiben, aber leider: Seine Tage sind gezählt. Dabei war er doch wohl der beste Agitator des Atheismus, den man sich wünschen kann.
Doch ein Krenn läßt die Seinen nicht im Stich. Westbahn-Kurti erklärte, als emeritierter Bischof sei er nach dem Kirchenrecht "in der Diözese nach dem Bischof der Zweite". Das heißt, er will uns so bald nicht ver lassen und hat sein letztes starkes Wort noch nicht gesprochen.
Kurti, danke!


Vaterland, lieb sein! (29.6.04)

Neulich kam mir das schöne Lied “Lieb Vaterland, magst ruhig sein!” in den Sinn. Und ich machte mir Gedanken darüber — was will uns dieses Zeile sagen? Und ich erkannte die subtile Art der Subversion darin.
Als ich nämlich ein kleines Kind war, sagte man mir — wenn ich meiner Umgebung lästig fiel —: “Magst jetzt bitte einmal ruhig sein!?!!”
Die zitierte Liedzeile könnte man daher etwas weniger poetisch formuliert folgendermaßen verstehen: “Vaterland! Gusch!!!”


Nach der Wahl (26.4.04)

Wer den Auftritt dieser kleinen Jubeläffchen bei Ferrero-Waldners Wahlniederlage erlebt hat, die so gebrüllt haben, als hätte ihre Kandidatin gesiegt, oder sich nur mehr wunderte, daß jedes ÖVP-Statement mit der Behauptung eingeleitet wurde, die Kandidatin hätte 15% aufgeholt -- ohne daß auch nur irgendwer versucht hätte, diese Behauptung zu belegen --, fragt sich schon sehr, ob die Beteiligten vor der Kamera eigentlich noch irgendeinen Bezug zu Realität oder Interview-Frage haben, oder ob sie einfach nur ein Programm abspulen, wie ihnen vorher geheißen. Bei diesen Inszenierungen scheint es selbstverständlich zu sein, daß alle nach der Pfeife irgendwelcher Stilberater und Spindoktoren tanzen -- von den Jubeläffchen bis zum Kanzler.
Daß Politiker keine Niederlagen akzeptieren können, ist ein alter Hut. Jedoch erinnere man sich, daß einmal ein AK-Präsident gehen mußte, weil er die Wahlniederlage zu einem “ganz, ganz großen Erfolg” umjubeln wollte -- ist das schon so lange her? Oder ändert sich die Zeit heute schon rascher als sie vergeht?
Früher hat man auch mal von der “Ästhetisierung der Politik” geredet. Heute tut das keiner mehr -- erstens weil ohne Unterschied alle nett und erfolgreich und schön sein wollen und zweitens, weil man das ja nun wirklich nimmer schön nennen kann.


Der österreichische Weg (3.4.04)

"In Deutschland nahmen 400.000 Menschen an den Protesten teil. In Rom legten Demonstrationen von Pensionisten den Stadtverkehr lahm." ... "Der ÖGB verzichtete auf eine eigene Demonstration und lud zu einer Informationsveranstaltung."
Ö1-Kurznachrichten, Sa, 3.4.
Tu felix austria, informiere...


Katastrophen (9.3.2004)

Was ist schlimmer für die Bundesparteiführung der FPÖ als die Niederlage bei den Salzburger Landtagswahlen? Der Sieg in Kärnten!


Bildungsprogramm (1.3.2004)

Es stimmt einfach nicht, daß der ORF seinen Bildungsauftrag nicht erfülle. Das Fernsehprogramm des staatlichen Senders gibt mir immer mehr Zeit zum Lesen.


Auffällig abwesend (23.2.04)

Beim Opernball rauschten die Roben, ein Baumeister machte sich lächerlich und die Prominenz gab sich ein Stelldichein. Man mußte einfach dabei sein, wenn man in den Medien präsent sein wollte. Nur einer schaffte das Kunststück, dadurch aufzufallen, daß er nicht anwesend war: Heinz Fischer.
Sollte er zum Bundespräsidenten gewählt werden, wird er 2005 wohl hingehen müssen. Der Arme, aber besser er leidet unterm Frackzwang, als wir 6 Jahre lang unter Ferrari-Waldheim...


Neulich im Radio (13.1.04)

Heinz Fischer auf die Frage nach seinem Verhältnis zur Religion: "Ich bin Agnostiker!"
Die darauffolgende Frage des Interviewers: "Gehören Sie einer Kirche an?"
Wer überzählige Fremdwörterbücher besitzt, möge sie bitte im Funkhaus in der Argentinierstrasse abgeben.


Der Professor spricht (18.11.03)

,,Wenn ich mich recht entsinne, wird es schon zwei, drei Jahre her sein, daß wir stärker für die 35-Stunden-Woche eingetreten sind. Ich sage es ganz offen: Als Ökonom gehört mein Herz dieser Forderung nicht.‘‘ Alexander Van der Bellen, Interview in WoZ 46/03. Kommentar überflüssig.


Zu spät (5.11.03)

"Der Hauptunterschied ist: Die Schweiz ist nicht in der EU."
Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa zur Frage, warum sich Österreichs Nachbar leichter tut in der Bekämpfung des übermäßigen Transitverkehrs. (Standard 5.11.03)

Jetzt bleibt nur noch die Frage zu klären, warum führende ÖVP-Politiker solche Aussagen nicht vor der EU-Volksabstimmung getätigt hatten.


Schlecht angelegt (21.11.03)

Manchmal werde ich gefragt, warum ich nicht Gewerkschaftsmitglied bin. Seit dem letzten ÖGB-Bundeskongreß habe ich eine Antwort mehr parat: Weil ich keine Lust habe, eine Organisation zu unterstützen, deren Vorstellung von Pensionssicherung sich nur durch ein paar Beistriche von der der jetzigen Regierung unterscheidet. Der ÖGB hat keine Probleme mit einer Formel ‘‘80-45-65" an die Öffentlichkeit zu gehen - soll heißen: Man kriegt gnädigerweise 80% Ruhensbezug, wenn man bis zum 65er 45 Versicherungsjahre angesammelt hat - natürlich bei voller Durchrechnung. Und als Drüberstreuer läßt man sich dafür auch noch vom Lieblingspensionsexperten der Regierung, Theodor Tomandl, loben und stellt dieses Lob auf die ÖGB-Webseite. Sicher, beschlossen worden ist dieses Paket am Bundeskongreß nicht. Die Tatsache, daß diese Dinge am Kongreß zwar diskutiert wurden, aber kein Konsens erzielt worden war, erfährt man aber nicht auf der Webseite.

Die Reden des Bundespräsidenten und eines Bischofs darf man dort nachlesen. Debattenbeiträge von Kongreßdelegierten findet man hingegen nicht. So steht die staatstragende Fiebervision ‘‘Österreich-Pension’’ des Herrn Verzetnitsch unhinterfragt und irreführenderweise als ‘‘das Pensionsmodell des ÖGB’’ auf der Homepage. Und die Mär von der Unfinanzierbarkeit des bisherigen Pensionswesens findet ihre Bestätigung durch den doch so regierungskritischen Gewerkschaftsbund.

Wen wundert es da, wenn sich die Menschen denken, daß ihr Gewerkschaftsbeitrag vielleicht doch besser als Zuschuß zu ihrer privaten Zusatzversicherung investiert ist.


Kein Kommentar (30.9.03)

Soll man Wahlen kommentieren, die genauso ausgegangen sind, wie man es erwartet hat? Und soll man Kommentare kommentieren, die sich genauso anhören, wie man es erwartet hat?

Das einzige was man da sagen kann, ist: Gratulation an die KPÖ! Von 0,1% auf 0,7% in Tirol ist prozentuell gesehen absolut das beste Ergebnis aller Parteien. Doch bringt halt leider nicht mal ein Platzerl in der Linie von nichtssagenden Politiker-Gesichtern, die wir uns nach jeder Wahl im Fernsehen anschauen dürfen und die dann der Reihe nach gefragt werden, was sie zu diesem Wahlergebnis sagen.

Da sehnt man sich zurück an die hochphilosophischen Interviews mit Toni Polster oder Herrmann Mayer. "Wenn man sich die Umfragen so ansieht, muß man sagen, daß ihre Partei die wichtigsten Zehntelprozent wohl im letzten Wahlkampfabschnitt verloren hat" - "Naja, wir haben unser Bestes gegeben, aber der Wahlzettel ist eckig und die Wahllokale schließen um 17 Uhr - und das Verhalten des Gegner war halt auch unfair." Wer wundert sich da noch, daß es ORF-Redakteure gibt, die zwischen Politik- und Sportberichterstattung hin- und herpendeln...?


Ein Ehrengrab für Hitler (23.9.03)

Die Mariahilfer Bezirks-FPÖ hat ein Prinzip: ‘‘Für uns gilt der Grundsatz de mortuis nihil nisi bene - Vom Toten rede nur Gutes’’ so die Bezirksräte Harald Vilimsky und Hubert Grillmayer kürzlich in einer Aussendung. Gemeint hatten sie, daß sie nicht einsehen, warum der Wehrmachts-Offizier Walter Nowotny kein Ehrengrab der Gemeinde Wien mehr hat. Ich warte jetzt darauf, wer sonst noch aller nach Ansicht der Mariahilfer FPÖ ehrengrabwürdig ist. Ein guter Kandidat wäre da ja wohl der GröFaZ himself. Schließlich ist der ja auch schon tot.


Westenthalers Erben (23.6.03)

Gerademal zwei Jahre ist es her, daß Peter Westenthaler sich den Titel ‘‘Fingerprinz’’ einhandelte, als er vehement die Einführung biometrischer Merkmale für die österreichischen Reisepässe forderte. Damals wurde das als typisch für eine rechtsextreme Partei angesehen. Jetzt haben die Hohen Herren der EU genau das für die gesamte Union beschlossen - und niemand scherts!


Notwendige Modernisierung (15.4.03)

Der Krieg zwischen den USA und dem Irak ist vorbei - oder irgendwie so ähnlich. Dennoch sollte man da mal prinzipiell darüber reden. Denn die Kriege dieser Welt sind einfach äußerst rückständig. Auf jeder Zigarettenpackung steht drauf, daß der Inhalt die Gesundheit gefährden kann, Kriege hingegen werden immer noch ohne Warnhinweise geführt. Und eine Umweltverträglichkeitsprüfung würden diese Kriege auch nie bestehen. Ich bin der Meinung: Nachdem heutige Kriege bereits so menschenrechtsfreundlich geworden sind und keine zivile Opfern mehr fordern, wird es langsam Zeit, hier auch gewisse Umwelt- und Gesundheitsstandards einzuführen. Denn ich bin für wirklich saubere Kriege!