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hedu's Musiktipps

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"Riviera"
Saint Privat

Erscheinungsdatum: Juni 2004
Label: Dope Noir
Format: Audio CD (CD-Anzahl: 1)

15.6.2004

So gefällt es. Eine weitere hervorragende Pop-Produktion aus Wien macht ihren Weg. Das Projekt "Saint Privat" wird produziert vom Sound-Bastler Klaus Waldeck, er selbst hat natürlich etliche Tracks beigesteuert. Easy-Listening als Klammer von Barock-Musik, Chill Out, Bossa Nova und Jazz. Und über allem machen sich irgendwo unauffällige Elektronik-Sound-Schnippsel breit.

Track eins. "Rokoko" heisst er, und lässt beim Hören der ersten Takte das nächste Sofa aufsuchen auf das man sich legt, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, der Kopf nickt rhythmisch zum Beat auf und ab. Swingender Jazz ist nicht von Grund auf böse, Herr Schachinger, kann auch angenehm ins Ohr gehen ohne Hörer und Musiker zu ewiger Verdammnis zu verfluchen, Herr Ostermeier.

Track drei. Eine Hommage an 1. Henry Mancini und dessen Komposition "Nothing to lose"(genau, das kennen Sie aus dem Film "Der Partyschreck" mit Peter Sellers) und 2. an Dimitri From Paris, der dem Song eine adäquate Bühne auf seinem göttlichen Easy-Listening Album "Sacrebleu" verpasst hat (gleich kaufen laufen, falls Sie es noch nicht haben sollten). Jetzt also auch Waldeck. Und diese Interpretation besteht hervorragend im Vergleich zu Monsieur Dimitri. Zugegeben, die Stimme von Valeri Waldeck trägt erheblich zum Erfolg bei. Was uns führt zu...

... Track acht. Nochmals zugegeben, Musik von J.S. Bach macht mir immer wieder Freude, ob original oder "verjazzt". Daran kann nicht einmal Jaques Loussier's brachialer Würgegriff etwas ändern. Und so befindet sich "Bach en dub" bei mir schon in heavy rotation. Eine gewisse Ähnlichkeit mit den Swingle Singers ist durchaus beabsichtigt, nicht zuletzt aufgrund Valerie's berührender Stimme. Ach ja, auch Walter Carlos lässt grüssen. Allerdings aus erheblicher Distanz. Dazu sind Räume da.

Bleibt noch zu erwähnen, dass - neben dem Gesang - nicht alles aus dem Computer kommt. Reale Musiker lassen immer wieder ihre Finger über reale Saiten tanzen (zum Beispiel Phillip Moosbrugger am Stand-Up Bass, Clemens Wabra Gitarre, auch Flip Philips schaut auf Track 10 kurz mit seinem Vibraphon vorbei), die elektronischen Sounds sind äußerst sparsam eingesetzt. Waldeck löst sich mit diesem Album von den Vorbildern "Massive Attack", und beginnt offensichtlich sein eigenes Ding zu finden. Wobei er sich zwar an Leuten wie Dimitri From Paris orientiert, aber das geht dann eher als liebevoller Respektbeweis durch.

Anspieltips: [1], [3], [8]

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"Stampede"
The Quantic Soul Orchestra

Erscheinungsdatum: 21. April 2003
Label: Tru Though (PP Sales Forces)
ASIN: B00008NV7N
Format: Audio CD (CD-Anzahl: 1)

18.5.2003

Keinesfalls Acid-Jazz sei das, so liest man in den Liner-Notes zum Album, aber jedenfalls tiefer Funk, der zwar nicht retro ist, aber die Lebendigkeit von Funk auch im neuen Millenium zeigt. Als hätte das der Verein der anonymen Funk-Junkies nicht gewußt. Und so demonstriert Mastermind Will Holland auf "Stampede" überaus heftig seine Zuneigung zu jazzverkleidetem Funk der frühen 70er. Wir bedanken uns herzlichst.

Eines muß übrigens noch dringend hervorgehoben werden. Alles auf diesem Album wurde live eingespielt, nix Computer, nix Sampler, nix Elektrogadgets. Und trotzdem ist der Sound eindeutig und unwiederlegbar hochaktuell. Na bitte, es geht ja. Auch 4 Hero's Hymne "Hold It Down" wird ein neues Kleidchen übergezogen. Und es nimmt sich darin ganz entzückend aus.

Anspieltips: [4], [7]

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"Is You Is"
Micatone

Erscheinungsdatum: 22. April 2003
Label: Sonar Koll (ZOMBA)
ASIN: B00008NGLV
Format: Audio CD (CD-Anzahl: 1)

15.5.2003

Man muß es als Nicht-Musiker nur einmal in den Kopf bekommen: die Zeiten, in denen sich Musiker zur selben Zeit am selben Ort getroffen haben, um ihre Musik aufzunehmen, sind vorbei. Heutzutage wird das Klavier hier aufgenommen, das Schlagzeug dort, der Gesang auf der anderen Seite der Erde, und der Rest kommt sowieso aus dem Computer. Zumindest teilweise auch so entstand offensichtlich das Album von Micatone, eine Band aus Deutschland.

Aber.

Aber wenn hier nicht jazzbewährte Vollblutmusiker an der Arbeit wären, dann hätte das Album keine Chance auf Powerplay in meinem CD-Player. Wobei der Absatz von oben reichlich relativiert werden muß, denn der Drumcomputer- und Sampleranteil ist bei Micatone eher nur notwendiges Beiwerk, um den aktellen Sound reinzubekommen. Wir sprechen hier immer noch von Musik, die manuell erzeugt wurde. Sie wissen: Kunst kommt von Können, auch wenn das nun wieder reichlich reaktionär klingt.

Micatone bewegen sich im Acid Jazz Fahrwasser, oder ist das nun wieder "echter" Jazz? Auch egal, darüber soll man sich am Institut für exakte und theoretische Musikwissenschaften streiten. Swing meets Dancefloor, Kontrabass unterstreicht nervöse Snaredrum im Junglefieber. Sängerin Lisa Bassenge und ihre Männer haben jedenfalls die Kraft, uns beim Zuhören in eine halbdunkle Jazzbar zu beamen. Womit der Beweis erbracht wäre, daß diese Technologie erstens existiert und zweitens funktioniert.

Sehen Sie da drüben die beiden, die zu "Quiet boy" tanzen und schmusen? Und der Barmann hört kurz mit der ständigen Thekenwischerei auf und schließt die Augen.

Anspieltips: [3], [4], [8]

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"Freak In"
Dave Douglas

Erscheinungsdatum: 17. März 2003
Label: Blue Bird (BMG )
ASIN: B0000894PB
Format: Audio CD (CD-Anzahl: 1)

17.4.2003

Frage an die Runde: Wer steht auf die Musik von Miles Davis? Weitere Frage an die Ja-Sager und Kopfnicker: Wer stellt solche Alben des Trompeters wie "Bitches Brew" oder "In A Silent Way" in seine persönliche Top-Ten Liste? Frage an alle, die das gewisse Leuchten in den Augen bekommen: Wer kann genauso etwas anfangen mit den knarrenden, schnaufenden und schleifenden Klängen der aktuellen elektronischen Musikströmungen? Wer jetzt noch dabei ist, der hat schlicht keine Ausrede, sich vor einem Klick auf das Cover links zu drücken, und dieses Ding zu bestellen. Alle anderen gehen zurück in die Kuschelecke, oder beschäftigen sich sonst irgendwie still.

Douglas und Konsorten lassen den Geist von Miles Davis aus den Lautsprechern wehen. Hypnotische Basslinien treffen auf elektronische Klänge, remixte (sic! Gibt's das Wort schon?) Tablas weben einen feinen Rhythmus-Teppich und über allem schweben die feinen Melodien von Meister Dave Douglas auf der Trompete.

"We suggest that you play this record at the highest possible volume in order to fully appreciate the sound of Dave Douglas."

Von wo stammt dieses Zitat mit einem anderen Musikernamen? Antworten bitte ans .gästebuch einsenden.

Anspieltips: [1], [5], [8]

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Wünsche, Anregungen und Beschwerden bitte im Gästebuch deponieren.

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© 2003 Heinz Duschanek
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