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Unternehmen gründen? (Ver)sicherlich nicht!
01.10.2003
Endlich ist es soweit. Ich werde Unternehmer. Dazu begebe ich mich am 30. September 2003 in die Wirtschaftskammer (WKO)
am Stubenring in Wien, wo beinahe alle notwendigen Schritte zur Unternehmensgründung im sogenannten One Stop Shop
durchgeführt werden können. Am ersten Oktober möchte ich bereits Gewerbetreibender sein.
Mitgebracht habe ich etliche Unterlagen, und eine Information derjenigen Unternehmensberatung, die für das
Arbeitsmarktservice (AMS) Neugründer und Jungunternehmer unterstützt. Ich bin also gut gerüstet. Denke ich.
Die Beraterin der WKO fragt mich zuerst nach meinem Reisepass. Verdammt, ausgerechnet den habe ich nicht mit.
"Dann kommen Sie halt noch einmal mit dem Reisepass. Oder ich melde Sie jetzt an, und dann gehen Sie später noch auf das
Magistrat."
Ich bin etwas sauer, weil vom Reisepass nirgends die Rede war, und schlage meine Unterlagen auf. Damit ich nicht wieder
vergeblich kommen soll, möchte ich mitschreiben, was ich denn noch alles mitbringen soll. Die Beraterin sieht in meinen
Unterlagen Geburtsurkunde, Staatsbürgerschaftsnachweis und Meldezettel.
"Ah so, das haben Sie eh mit? Dann brauchen wir den Reisepass nicht. Wissen Sie, ich denke halt nur mehr an den Reisepass,
die anderen Unterlagen vergesse ich immer wieder."
Ich ergebe mich kurz einem dunklen Gedankengang, bin aber im übrigen froh, dass es jetzt doch weitergeht.
Nach wenigen Minuten erhalte ich eine Bestätigung über die Online-Anmeldung zum Gewerbe sowie eine Mitteilung an die
Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SV), weitere Zettel gibt es auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht.
In der Mitteilung an die SV ist auch der Beginn der Ausübung des Gewerbes
verzeichnet. Damit kann ich nun zur SV gehen, damit ich auch sozialversichert bin und ab sofort die Beiträge einzahlen kann, so
sagt mir die Beraterin der WKO. Das deckt sich mit der Auskunft der AMS Unternehmensberater. Von
der SV werde ich wiederum eine Bestätigung verlangen müssen, die ich binnen drei Tagen dem AMS vorlegen muss.
"Das reicht nicht!"
So spricht kurz und scharf die Dame am Schalter der SV, der ich die beiden Belege überreichen will, damit
ich mich bei der Sozialversicherung angemelden kann.
"Woher soll ich wissen, ob die Gewerbeanmeldung vom Magistrat akzeptiert wird? Es kann ja sein, dass die das dort
gar nicht akzeptieren, dann müssen wir wieder umdatieren. Alles schon da gewesen, alles schon gehabt."
Ich teile der SV-Beamtin (um die 35 bis 40, schulterlange braune Haare, Brille) mit, dass nach gleichlautenden Informationen
sowohl der AMS-Unternehmensberatung als auch der WKO die Anmeldung aber nun einmal so funktionieren müsse.
Geben diese Organisationen denn falsche Auskunft?
"Schauen Sie, ich bin die Sozialversicherung. Mir sind die anderen wurscht, ich weiß wohl am besten, wie und ob
wir anmelden oder nicht, gell?"
Also was jetzt? Woher bekomme ich nun die für das AMS so wichtige Bestätigung der SV? Was soll ich jetzt tun?
"Gehen's zum Magistrat, oder rufen's dort an, ob die Ihre Gewerbeanmeldung akzeptiert haben, dann kommen's wieder her.
Ich will's Ihnen ja nur leichter machen."
Ich zähle kurz in Gedanken bis zehn, um den Adrenalinschub vorbeiziehen zu lassen, dann verlange ich die
Bestätigung für das AMS. Anstelle des Datums trägt die Beamtin beim Datum der Gewerbegründung ein Fragezeichen ein.
Was meine AMS-Beraterin dazu sagen wird, habe ich jetzt schon im Ohr. Ich nehme das Papier trotzdem, werde es
aber sicher nicht dem AMS vorlegen und mir so eine Strafpredigt ersparen.
Später rufe ich an der Wirtschaftskammer an. Die dortige Beraterin hört sich die Geschichte an, und stellt mich zu
ihrem Chef durch. Der teilt mir mit, dass ich nicht der Erste sei, dem das passiert. Die Sozialversicherung würde
den neuen Weg der Gewerbeanmeldung grundsätzlich akzeptieren, aber das sei eben noch nicht bis zu dieser Dame
am Anmeldungspult durchgedrungen. Nachdem dieser WKO-Mitarbeiter bei der SV angerufen hat,
rät er mir, doch am nächsten Tag wieder hinzufahren. Da sei der Vorgesetzte der Dame anwesend, den sie im
Zweifelsfall ja fragen könne.
Ich pilgere am 1. Oktober wieder zur SV hin. Im Gepäck dieselben Scheine und Bestätigungen wie am Tag davor. Die Beamtin
versieht ebenfalls wieder ihren Dienst und erkennt mich sofort.
"Entschuldigen's, aber wenn mir der Chef das nicht weitersagt, dann kann ich's nicht wissen."
Ich enthalte mich jeden Kommentars und übergebe ihr die Bestätigung der Gewerbeanmeldung, die ich von der WKO
erhalten habe. Wieder passt ihr etwas nicht.
"Da fehlt ja was, da ist kein Datum drauf."
Ich sage ihr, dass ich nicht mehr von der WKO bekommen habe. Diese Zettel würden laut WKO genügen. Die Beamtin entschließt
sich nun, ihren Chef aufzusuchen, ich spreche ein kurzes Dankgebet. Zehn Minuten später kommt sie wieder zurück.
Endlich erhalte ich die Anmeldungsbestätigung der SV, mit einem Datum anstelle eines Fragezeichens.
Die Pflichtversicherung hat damit an diesem Tag begonnen. Ich bin im Kreis der Bittsteller aufgenommen, die
Beiträge abliefern dürfen.
Es war ein ziemlich harter Kampf, um dorthin zu kommen.
Wünsche, Anregungen und Beschwerden bitte im Gästebuch deponieren.
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