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Verfolgungswahn?

28.09.2003

Am Donnerstag, dem 26. September 2003, muß ich einen Termin wahrnehmen, der für 9:00 Uhr früh angesetzt ist. Ich wohne in Wien im 18. Bezirk, der Termin findet im 13. Bezirk statt. Alles kein Problem, ich kann meinen Sohn noch zur Schule begleiten, und dann mit der sogenannten Vorortelinie, der S45, von Gersthof nach Penzing fahren. Dort plane ich mit einer Schnellbahn in Richtung Wien Meidling zu fahren, denn da kann ich im 13. Bezirk in der Station Speising aussteigen.

In Penzing laufe ich von einem Bahnsteig zum anderen, entdecke aber nirgends das Abfahrtsgleis in Richtung Speising. Erst der Fahrdienstleiter klärt mich auf, dass seit etwa drei Jahren der Zug nach Speising hier nicht mehr halten würde. Ich müsse mit der Vorortelinie weiter nach Hütteldorf fahren, dort könne ich in den Zug nach Speising einsteigen.

In Hütteldorf finde ich auf Anhieb das richtige Abfahrtsgleis. Allerdings ist es mittlerweile schon wenige Minuten vor 9:00 Uhr, ich kann also sicher nicht pünktlich meinen Termin wahrnehmen. Ich finde auch auf Anhieb den Fahrplan, und auf Anhieb darin eine Zeile, die mir verrät, dass der nächste Zug nach Speising erst um 9:33 Uhr abfährt. Es hat sich also nicht nur die Fahrtstrecke leicht geändert, auch die Züge verkehren dorthin nur mehr in Stundenabständen, und nicht mehr alle 15 Minuten.

Dieses Faktum läßt mich zum Mobiltelefon greifen und meine kräftige Verspätung bekanntgeben. Gottseidank stosse ich auf Verständnis. Weil's mir aber doch etwas peinlich ist, beschliesse ich mit einem Taxi dorthin zu fahren. Leider habe ich aber nur mehr 5 Euro Bargeld bei mir, also suche ich nach einem Bankomat. Den nächsten Geldausgabeautomaten gibt es allerdings vermutlich erst in 2 Kilometer Entfernung, der große Verkehrsknotenpunkt Hütteldorf bietet jedenfalls keinen Bankomat an.

Natürlich könnte ich den Taxifahrer anweisen, mich zuerst zu einem Bankomat zu bringen, aber die Sache wird mir schon etwas zu mühsam. Ich beschließe daher nun doch in Hütteldorf die halbe Stunde auf den Zug zu warten. Und mir die Zeit mit einem Kaffee zu verkürzen. Schließlich bietet die dortige Anker-Filiale ja auch gleich mehrere Varianten des schwarzen Zaubertranks an. Aber wie erklärt mir gleich die Verkäuferin direkt unter dem großen Schild mit den Kaffeepreisen? Es gibt gerade heute keinen Kaffee. Leider, leider.

Frage an die p.t. Leserschaft: Leide ich an Verfolgungswahn? Oder kann es sein, dass Infrastruktur nicht nur lebt, sondern darüber hinaus an diesem Tag überaus schlecht gelaunt war?

 

 

Wünsche, Anregungen und Beschwerden bitte im Gästebuch deponieren.

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© 2003 Heinz Duschanek
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