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Baugin, Das Stilleben mit dem Schachbrett, Versuch einer Ikonographie (1992)
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Die Mandora

| Das Musikinstrument, das auf dem "Stilleben mit Schachbrett" abgebildet ist, wird bei oberflächlicher Betrachtung von vielen für eine Laute gehalten, auch in der kurzen Bildbeschreibung im Austellungskatalog von 1934 sprach Charles Sterling von einer solchen. Hier jedoch sehen wir ein Instrument, das wesentlich kleiner als die damals übliche Laute ist. Es liegt mit dem Resonanzboden nach unten; dies tat man, um ihn und die empfindlichen Saiten vor der Umgebung zu schützen. Es bleiben so die Saiten für uns unsichtbar, doch aus den sechs Wirbeln ist zu schließen, daß es auch sechs Saiten hat, viel weniger also als die Laute, die, je nach Ausführung, oft 13 oder mehr besaß. Der Korpus setzt sich aus (wahrscheinlich) 9 Spänen in der Art einer Laute zusammen, an der Rückseite des Halses sieht man 8 Bünde, welche (wahrscheinlich) aus Saitenmaterial (Darm) bestanden und hier in der Mitte geknüpft sind. Es beweist dies, daß bei diesem Instrument nicht die Grifftechnik der Lautenspieler angewendet worden sein konnte. Diese greifen nämlich wegen der Breite des Griffbrettes die Bünde nur mit vier Fingern, der Daumen stützt sich an die Rückseite des Halses. Daher befinden sich bei der Laute die Knoten der Bünde an der Oberseite des Halses, nicht wie hier in der Mitte. Das hier abgebildete Instrument spielte man, das kann mit Sicherheit gesagt werden, nach Art einer Gitarre, wo zu dieser Zeit der Hals von der ganzen Hand umfaßt wurde. Augenfällig an dem Instrument auf Baugins Stilleben ist auch der Wirbelkasten, der vom Griffbrett nur ca. 45 Grad nach rückwärts geneigt ist (bei der Laute beinahe schon rechtwinkelig). Alle diese Umstände ermöglichen uns eine Identifikation als Mandora. |

M. Agricola, Musica Instrumentalis Deudsch, Wittenberg 1528

M. Mersenne, Harmonie Universelle, Paris 1636