Peru weist wohl von allen
südamerikanischen Ländern die größten landschaftlichen und klimatischen
Gegensätze auf. Es hat sowohl Anteil an dem entlang der Pazifikküste gelegenen Wüstenstreifen, an einigen der höchsten Gebirgsmassiven der
A
rechts und links : diese hübsche kleine Form von T. purpurea mit
ganz steifen Blättern und einem Rosettendurchmesser von
Von der Küste aus die Gebirgsketten der West-
und Ostkordillere über Pässe querend, die nur im Norden des Landes
unter 3500 m hoch sind, erlebt man Sand- und Felswüste, das von Eis
bedeckte Hochgebirge, das grasbewachsene Hochland, den kühlen,
rechts: die peruanischen Formen von T. landbeckii
Das Klima des Küstenlandes wird geprägt durch den Humboldtstrom,
eine kalte Meeresströmung, die von der Antarktis kommend nach Norden
zieht.
Eine Störung der Meeresströmungen im Pazifik verursacht in manchen Jahren das
Phänomen des "El Nino", der Ostpazifik erwärmt sich, was unter anderem zu
starken Regenfällen an der Westküste Südamerikas führt.
Maria Reiche, die aus Dresden stammte und1998 im Alter von 95 Jahren in Peru
starb, war die Entdeckerin der Scharrbilder bei Nazca und hat von 1946 an ihr
ganzes Leben unter extremen Bedingungen der Vermessung und Erhaltung dieses
nunmehrigen Weltkulturerbes der UNESCO gewidmet.
rechts : Maria Reiche am 9. 8. 1977 im Alter von
74 Jahren auf der Pampa von Nazca, links mit ihren damaligen Helfern, rechts mit
ihrem Buch "Geheimnis der Wüste".
Der Humboldtstrom bewirkt in den Wintermonaten entlang der Küste die Bildung des sogenannten Garua-Nebels, einer
mehrere hundert Meter dicke Wolkendecke über der Wüste und bis weit in die Täler hinein.
Das feine Nieseln aus dieser Nebelschicht und in den Sommermonaten
ein kühler, feuchter Wind vom Meer her bieten an manchen bevorzugten
Stellen in der Wüste und besonders an den niedrigen Vorbergen der
Anden einigen besonders angepassten Tillandsien- und Kakteenarten die
Möglichkeit zu überleben.
Die aus dem Landesinneren
zur Küste verlaufenden Täler am Westabhang der Anden sind
eigentlich Felswüsten, und die Tillandsien, die hier wachsen, verdanken die
benötigte Feuchtigkeit ebenfalls den Nebelwolken, die von
der Küste in die Täler hochsteigen. Um diese feinsten Tröpfchen
aufnehmen zu können, sind bei vielen Arten, am deutlichsten bei T.
tectorum, die Blattschuppen zu Tauzungen verlängert.
T. tectorum
var. tectorum ist eine der wenigen Arten, die von niedrigeren Lagen
in den Küstentälern bis auf die Höhen der Andenketten aufsteigen;
rechts : T. tectorum var. tectorum
HR2066 bei
Huaraz, 3150m, Ancash. Die einzelnen Arten, die in diesem weiten Gebiet
des Andenwestabhangs vorkommen, wachsen
nicht alle durch- und miteinander, sondern sie sind, so wie auch die Kakteen,
an die Bedingungen einer bestimmten Höhenlage angepasst. Die einzelnen
Vorkommen sind oft räumlich weit voneinander getrennt, so dass verschiedene
Formen einer Art entstehen können, die oft ziemlich voneinander variieren.
T. paleacea steigt auch etwas höher,
aber meist nur bis etwa 500 m.
rechts : T. straminea HR2099, Rio
Crisnejas, 2000 m, Cajamarca.
unten : gelb blühende Form von T. humilis
(Syn. aureobrunnea) HR4213, Chavin, 3500m, Ancash; die Blüten bei T. humilis
sind meistens braun, duften aber alle sehr angenehm.
Es kann aber auch vorkommen, dass in einzelnen Tälern die sonst üblichen Tillandsienarten
zur Gänze fehlen und dann durch andere, zum Teil endemische Arten (die
ausschließlich dort
vorhanden sind) ersetzt werden.
Dort wachsen in der untersten Stufe
T. extensa und
Aus verfestigtem Gesteinsschutt mit
aufsitzenden Felsbrocken bestehen die Türme an den Steilhängen am Rio Chancay.
Als Aufsitzer auf festem Gestein wächst die polsterbildende T. heteromorpha var. rauhii. Die Einzelpflanzen sind in ihrer Größe und Form recht variabel.
rechts
links und rechts unten : T. heteromorpha
var. rauhii zusammen mit T. lymannii und dem weißwolligen
Säulenkaktus Espostoa lanata.
unten: T. lymannii, HR2183, Rio Chancay,
1200m, Cajamarca
rechts und unten: T. latifolia
var. leucophylla HR2186, Rio Chancay, 900m, Cajamarca
T. latifolia var. leucophylla wurde, so wie
die oberhalb abgebildete T. lymannii, ausschließlich im Sta-Cruz-
Tal in Nordperu gefunden. Die Pflanzen wachsen auf senkrechten Felsen in einer Höhe zwischen
600 m und 1200 m.
Diese Form wächst unheimlich langsam, und es ist
anzunehmen, dass auch an ihrem Heimatstandort mit den extrem geringen
Niederschlägen die großen Exemplare, wenn sie zur Blüte kommen, mehrere
Jahrzehnte alt sind.
Mit zunehmender Höhe wird es auf den Andenabhängen feuchter, und besonders im nördlichen Teil des Landes
befand sich
T. dudleyi im Nebelwald oberhalb Calca, 3100m, Cuzco
Gerade die Nebelwälder gehören zu den am meisten gefährdeten Biotopen
- das luftige, angenehme Klima und die ausreichende Feuchtigkeit ziehen
immer neue Siedler an, immer größere Waldflächen werden
abgebrannt und sogar Steilhänge zu Viehweiden und
Äckern umgewandelt, und von der vielfältigen,
auf dieses Klima angewiesenen
links : Nebelwaldreste in einer Schlucht an der
Passhöhe Abra Chanchillo, 3400m, Depto. Amazonas Es wird ja auch immer trockener, wenn erst einmal der Wald weg ist.
Die rasch fortschreitende Vernichtung des Regenwaldes im Amazonasbecken ist
ja allgemein bekannt, und Peru ist hier leider keine Ausnahme.
links außen: T. ionochroma im Nebelwald
oberhalb Huancabamba (1978!), 3200 m, Piura, Nordperu.
Mit dem ständig zunehmenden Bevölkerungsdruck steigen aber auch anderswo die Probleme, zum Beispiel durch die
Dagegen haben sich viele der innerandinen Täler in den letzten Jahrzehnten kaum verändert.
Die Bevölkerung hier ist zu ärmlich, noch
sehr mit ihren Traditionen verbunden und zum Teil auch bis in die jüngste
Zeit durch innenpolitischen Terror so belastet, dass die Technisierung
und die damit oft auch verbundene Zerstörung der Natur- bzw. der alten
Kulturlandschaft bisher nur langsam vor sich gegangen sind.
links : Trockental am Río Chamaya in Nordperu,
am Fluss unten 500 m hoch.
links : T. hildae HR23027 mit ihren
eindrucksvoll gebänderten Blättern, und
rechts : Bougainvillea peruviana auf den Hängen im Tal des Río Marañon
bei Balsas, 1600 m Depto. Cajamarca.
links : T. balsasensis HR4202 und
Submatucana myriacantha mit ihren leuchtend gelborangen Stacheln an
einer steilen Felswand
links : die "Restaurants" am Hauptplatz des
kleinen Ortes Balsas am Río
Marañon,
Die auf den steilen Hängen häufig terrassierten Felder und die immer noch intakten Bewässerungkanäle stammen aus der Inkazeit.
links : T. latifolia var. divaricata
und T. aurea HR4219 auf Weberbauerocereus albus bei Masin, 3000 m, Ancash;
rechts : eine ebenso seltene, noch kleinere Verwandte dieser Art aus dem
nördlicher gelegenen Marañon-Tal bei Balsas wurde als T. aurea var. minor
beschrieben; Die Böden sind zu karg, als dass sich, mit Ausnahme der kleinen Flecken
Schwemmlandes an manchen Flüssen, eine Landwirtschaft größeren
Stils, oder überhaupt ertragreiche Landwirtschaft betreiben ließe, und zumeist sind auch die Hänge zu steil und
felsig. Außerdem fehlt die Feuchtigkeit, da die Wolken den Regen schon im
Hochland entlassen, und die Fallwinde in die Täler hinunter sich erwärmen
und damit trocken werden. Auf den Felsen
und den zumeist laubabwerfenden Bäumen in den Trockentälern, oft auch auf Säulenkakteen
finden sich eine ganze Anzahl Tillandsien und graue Vriesea- Arten.
rechts : T. paleacea ssp. apurimacensis fa. disticha,
WT182,
rechts : T. cacticola
HR2099b, Tal des Rio Crisnejas, 2000 m, Cajamarca
Es gibt aber
speziell in Peru mit seinen tiefeingeschnittenen, durch hohe Gebirgsmassive voneinander
isolierten Tälern auch baumbewohnende Arten und Varietäten, die nur ein kleines
Areal in einer bestimmten Höhenlage besiedeln, wie zum Beispiel T. reuteri, T. aurea und T. aurea var. minor.
rechts : eine Seltenheit ist die schöne T. reuteri
aus dem Utcubamba- Tal,
Zu diesen seltenen Arten mit sehr kleinem
Verbreitungsgebiet gehören in Peru zum Beispiel T. balsasensis, T. spiraliflora,
T. (Vriesea) curvispica, T. krahnii und einige in neuerer Zeit entdeckte Arten aus der
Verwandtschaft von T. tectorum:
links : T. tomekii und ihr Standort,
unten: die Polster von T. stellifera
bestehen aus vielen kleinen Einzelpflänzchen; Ancash, 3000 m.
Ebenfalls ein Neufund war T. lithophila,
Prov. La Libertad, Nordperu
Diese und die übrigen bisher bekannten Arten aus der Verwandtschaft von T.
tectorum aus Peru und Ekuador werden im Sonderheft 5 der Deutschen
Bromeliengesellschaft behandelt.
Kontaktadressen für Interessierte:
http://www.dbg-web.de/Sonderheft5.htm,
http://www.dbg-web.de/publikationen.htm
oder
dbg-geschaeftsstelle@dbg-web.de
Links: Puya raimondii
ist die größte Bromelie; ihr
Blütenstand kann bis zu 12 m hoch werden;
Quebrada
Pachacoto,
Cordillera
Blanca, 4500 m, Zentralperu
Unten: "Anden- Edelweiß" (Culcitium canescens) mit Huascar
last modified 08. 02. 2007
Aufnahmen von Tillandsien- Standorten in Peru
nden und am Amazonasbecken.
ca. 8 cm fanden wir vor 20 Jahren an einer einzigen Stelle
bei
der Stadt Pativilca in der Küstenwüste nördlich von Lima
(HR4002, Pativilca, 100
m, Lima).
Beim letzten Besuch vor etlichen Jahren gab es dort nur mehr eine großflächige rauchende Mülldeponie.
feuchten
Nebelwald und den tropischen Regenwald. Die kürzeste Fahrt von der Pazifikküste
zu den Regenwäldern an den Quellflüssen des Amazonas ist nur eine
Tagesreise und führt von Lima aus über den mehr als 4800 m hohen Ticlio- Pass,
das Minengebiet von La Oroya und die Schlucht des Palca- Tales in die Region
Chanchamayo, die nur mehr 900 m hoch im warmen Regenwald liegt.
links : eine große
Form von T. latifolia und eine sehr kleine von
T. purpurea nördlich von Lima, 100 m;
ein großer Teil der Bestände der T. latifolia, auch auf den umgebenden Hügeln,
war aus ungeklärter Ursache abgestorben (als schwarze Polster im Hintergrund zu
erkennen).
(-->Diaphoranthema)
sind gröber als ihre chilenischen Verwandten, hier in der Küstenwüste bei Lima (Photo
Dr. Rutschmann);
an der vom Wind abgelegenen Seite der Pflanzengruppen lagert sich der Sand ab
und es bilden sich dadurch Hügel.
So erzählte uns Frau
Maria Reiche, die wir das Glück hatten, auf unserer Reise 1978 bei den
Scharrbildern in Nazca anzutreffen, von ungewöhnlichen, starken Regenfällen in
dieser Gegend.



links
: HR23164 im Tal des Rio Huaura, 1300 m, Ancash;
rechts unten HR4232 an der Weißen Kordillere, 3300m, Ancash.
T.
purpurea mit
ihren verschiedenen Formen ist eine Pflanze der Wüste
und besiedelt so wie die starrblättrigen und viviparen Formen von
T. latifolia
höchstens noch die unterste Region der Täler.
Darüber gibt es eine Höhenstufe
mit
T. latifolia var. divaricata, und noch weiter
oben einen Höhenstreifen mit T. straminea und T. tectorum.
Ab 3000 m Höhe gesellt sich zu ihnen
als eine der häufigsten Tillandsien die recht formenreiche T. humilis.
links : T. latifolia var. divaricata
HR23007, Zarumilla, 100m, Tumbes.
Das ist zum Beispiel in einem zur Küste führenden Tal in Nordperu der Fall, das
alleine schon durch seine bizarren Felsformationen beeindrucken würde, dem Chancay- oder Santa Cruz- Tal im Departement Cajamarca.
die große Felstillandsia T. rauhii
und darüber, bis in ca. 1200 m Höhe, T. heteromorpha var.
rauhii,
T. lymannii und die schönste Varietät von T. latifolia mit
kompakten Rosetten und breiten, steifen Blättern, nämlich T. latifolia var.
leucophylla.

T. heteromorpha var. rauhii HR2181,
Rio
Chancay, 1200m, Cajamarca.




ursprünglich unterhalb der Gipfelregion ein kühler, feuchter Nebelwald, auf der westlichen Kordillerenkette nur
im nördlichen Teil des Landes, am Andenostrand aber die Hänge bedeckend und in den warm- feuchten Regenwald des Amazonasbeckens übergehend.
Epiphytenvegetation ist nach wenigen Jahren
kaum mehr etwas übrig.


links: eine Standortform von Racinea
tetrantha mit auffallender Pseudobulbe auf Restbeständen eines ehemaligen
Nebelwaldes, nunmehr Weideland, Abra Chanchillo, 3400m, Amazonas, Nordperu.
extreme Überweidung auch karger Regionen.
Weite Gebiete weisen bereits eine gewaltige Bodenerosion auf, was sich besonders
an den dichter besiedelten Abhängen zum Pazifik an der Westkordillere bemerkbar
macht.
rechts: beschwerlich und oft auch gefährlich
sind die Wege vom Hochland in die Täler; hier eine der wichtigen Straßen von
Huamachuco nach Osten in Richtung Amazonasbecken, Depto. La Libertad.

T. ecarinata
HR23020 auf Felswänden oberhalb des Rio Chamaya, 600m, Piura, Nordperu

oberhalb des Ortes Balsas am Rio Maranon, 1400m,
Amazonas, Nordperu

1200 m, Depto. Amazonas;
hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein!
Viele der Landbewohner scheinen auch noch so zu leben wie damals, und die meisten Häuser in den kleinen Orten sehen aus, als ob sie hunderte
Jahre alt wären. Oft sind sie verlassen, denn der Zustrom in die Slums der Städte hält weiter an.
T.
aurea ist bisher nur von einem kleinen Abschnitt im Tal des Rio Puccha bekannt.
ihre Blüten sind weniger ansehnlich, aber eigenartig (Foto rechts).

vom Oberlauf des Rio Pachachaca, 2700m, Apurimac, Südperu
Wie auch aus anderen Ländern bekannt,
sind die epiphytischen Tillandsienarten, die Bäume, Büsche und auch
Säulenkakteen bewohnen, zumeist mit wenig Abweichungen weit verbreitet. Zu ihnen
gehört zum Beispiel T. cacticola, die fast ausschließlich epiphytisch wächst.
Depto. Amazonas; ein Relikt auf Schattenbäumen
in Kaffeeplantagen ?
Bei felswachsenden Arten ist dieses Phänomen ja
bekannt. Die
meisten sind auf ein ganz kleines
Gebiet beschränkt, auf wenige Felswände eines einzigen Tales, manche sind sogar
auf nur einer einzigen Felswand endemisch. 



