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Aufnahmen von Tillandsien- Standorten in Peru


 

Peru weist wohl von allen südamerikanischen Ländern die größten landschaftlichen und klimatischen Gegensätze auf. Es hat sowohl Anteil an dem entlang der Pazifikküste gelegenen Wüstenstreifen, an einigen der höchsten Gebirgsmassiven der Anden und am Amazonasbecken.

 

rechts und links : diese hübsche kleine Form von T. purpurea mit ganz steifen Blättern und einem Rosettendurchmesser vonT purpurea, 50m,Lima ca. 8 cm fanden wir vor 20 Jahren an einer einzigen Stelle bei der Stadt Pativilca in der Küstenwüste nördlich von Lima
(HR4002, Pativilca, 100 m, Lima).

Beim letzten Besuch vor etlichen Jahren gab es dort nur mehr eine großflächige rauchende Mülldeponie.

 

 

 

Von der Küste aus die Gebirgsketten der West- und Ostkordillere über Pässe querend, die nur im Norden des Landes unter 3500 m  hoch sind, erlebt man Sand- und Felswüste, das von Eis bedeckte Hochgebirge, das grasbewachsene Hochland, den kühlen,T. latifolia, T. purpurea, 100m, Lima feuchten Nebelwald und den tropischen Regenwald. Die kürzeste Fahrt von der Pazifikküste zu den Regenwäldern an den Quellflüssen des Amazonas  ist nur eine Tagesreise und führt von Lima aus über den mehr als 4800 m hohen Ticlio- Pass, das Minengebiet von La Oroya und die Schlucht des Palca- Tales in die Region Chanchamayo, die nur mehr 900 m hoch im warmen Regenwald liegt.

 


links : eine große Form von T. latifolia und eine sehr kleine von
T. purpurea
nördlich von Lima, 100 m;
ein großer Teil der Bestände der T. latifolia, auch auf den umgebenden Hügeln, war aus ungeklärter Ursache abgestorben (als schwarze Polster im Hintergrund zu erkennen).

 

 T. landbeckii, 50m, Lima, Foto Rutschmann

rechts: die peruanischen Formen von T. landbeckii
(-->
Diaphoranthema) sind gröber als ihre chilenischen Verwandten, hier in der Küstenwüste bei Lima (Photo Dr. Rutschmann);
an der vom Wind abgelegenen Seite der Pflanzengruppen lagert sich der Sand ab
und es bilden sich dadurch Hügel.



 

Das Klima des Küstenlandes wird geprägt durch den Humboldtstrom, eine kalte Meeresströmung, die von der Antarktis kommend nach Norden zieht. Eine Störung der Meeresströmungen im Pazifik verursacht in manchen Jahren das Phänomen des "El Nino", der Ostpazifik erwärmt sich, was unter anderem zu starken Regenfällen an der Westküste Südamerikas führt.
So erzählte uns Frau Maria Reiche, die wir das Glück hatten, auf unserer Reise 1978 bei den Scharrbildern in Nazca anzutreffen, von ungewöhnlichen, starken Regenfällen in dieser Gegend.

Maria Reiche, die aus Dresden stammte und1998 im Alter von 95 Jahren in Peru starb, war die Entdeckerin der Scharrbilder bei Nazca und hat von 1946 an ihr ganzes Leben unter extremen Bedingungen der Vermessung und Erhaltung dieses nunmehrigen Weltkulturerbes der UNESCO gewidmet.

 

 

rechts : Maria Reiche am 9. 8. 1977 im Alter von 74 Jahren auf der Pampa von Nazca, links mit ihren damaligen Helfern, rechts mit ihrem Buch "Geheimnis der Wüste".

 

 

 

Der Humboldtstrom bewirkt in den Wintermonaten entlang der Küste die Bildung des sogenannten Garua-Nebels, einer mehrere hundert Meter dicke Wolkendecke über der Wüste und bis weit in die Täler hinein. T. tectorum, 1300m, Ancash

Das feine Nieseln aus dieser Nebelschicht und in den Sommermonaten ein kühler, feuchter Wind vom Meer her bieten an manchen bevorzugten Stellen in der Wüste und besonders an den niedrigen Vorbergen der Anden einigen besonders angepassten Tillandsien- und Kakteenarten die Möglichkeit zu überleben.

 

Die aus dem Landesinneren zur Küste verlaufenden Täler am Westabhang der Anden sind eigentlich Felswüsten, und die Tillandsien, die hier wachsen, verdanken die benötigte Feuchtigkeit ebenfalls den Nebelwolken, die von der Küste in die Täler hochsteigen. Um diese feinsten Tröpfchen aufnehmen zu können, sind bei vielen Arten, am deutlichsten bei T. tectorum, die Blattschuppen zu Tauzungen verlängert.
 

T. tectorum var. tectorum ist eine der wenigen Arten, die von niedrigeren Lagen in den Küstentälern  bis auf die Höhen der Andenketten aufsteigen;
links : HR23164 im Tal des Rio Huaura, 1300 m, Ancash; rechts unten HR4232 an der Weißen Kordillere, 3300m, Ancash.

 

 

 

 

 

 

rechts : T. tectorum var. tectorum HR2066 bei Huaraz, 3150m, Ancash.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die einzelnen Arten, die in diesem weiten Gebiet des Andenwestabhangs vorkommen, wachsen nicht alle durch- und miteinander, sondern sie sind, so wie auch die Kakteen, an die Bedingungen einer bestimmten Höhenlage angepasst. Die einzelnen Vorkommen sind oft räumlich weit voneinander getrennt, so dass verschiedene Formen einer Art entstehen können, die oft ziemlich voneinander variieren. 

T. purpurea mit ihren verschiedenen Formen ist eine Pflanze der Wüste und besiedelt so wie die starrblättrigen und viviparen Formen von T. latifolia höchstens noch die unterste Region der Täler. 

T. paleacea steigt auch etwas höher, aber meist nur bis etwa 500 m.
Darüber gibt es eine Höhenstufe mit T. latifolia var. divaricata, und noch weiter oben einen Höhenstreifen mit T. straminea und T. tectorum.
Ab 3000 m Höhe gesellt sich zu ihnen als eine der häufigsten Tillandsien die recht formenreiche T. humilis.


links : T. latifolia var. divaricata HR23007, Zarumilla, 100m, Tumbes.

rechts : T. straminea HR2099, Rio Crisnejas, 2000 m, Cajamarca.

unten : gelb blühende Form von T. humilis (Syn. aureobrunnea) HR4213, Chavin, 3500m, Ancash; die Blüten bei T. humilis sind meistens braun, duften aber alle sehr angenehm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es kann aber auch vorkommen, dass in einzelnen Tälern die sonst üblichen Tillandsienarten zur Gänze fehlen und dann durch andere, zum Teil endemische Arten (die ausschließlich dort vorhanden sind) ersetzt werden.
Das ist zum Beispiel in einem zur Küste führenden Tal in Nordperu der Fall, das alleine schon durch seine bizarren Felsformationen beeindrucken würde, dem Chancay- oder Santa Cruz- Tal im Departement Cajamarca.

 

Dort wachsen in der untersten Stufe T. extensa und
die große Felstillandsia T. rauhii und darüber, bis in ca. 1200 m Höhe, T. heteromorpha var. rauhii,
T. lymannii und die schönste Varietät von T. latifolia
mit kompakten Rosetten und breiten, steifen Blättern, nämlich T. latifolia var. leucophylla.

 

Aus verfestigtem Gesteinsschutt mit aufsitzenden Felsbrocken bestehen die Türme an den Steilhängen am Rio Chancay. Als Aufsitzer auf festem Gestein wächst die polsterbildende T. heteromorpha var. rauhii. Die Einzelpflanzen sind in ihrer Größe und Form recht variabel.

 

 

 

 

 

 

 

 

rechts : blühende Einzelpflanze von
T. heteromorpha
var
. rauhii HR2181,
Rio Chancay, 1200m, Cajamarca
.

 

 

T. heteromorpha, T. lymannii, 1200 m, Cajamarca

 


 

 

 

 

 

links und rechts unten : T. heteromorpha var. rauhii zusammen mit T. lymannii und dem weißwolligen Säulenkaktus Espostoa lanata.

 

T.heteromorpha, T. lymannii, 1200 m, Cajamarca

 

unten: T. lymannii, HR2183, Rio Chancay, 1200m, Cajamarca

 

 

 

 

T. lymannii, 1200m, Cajamarca

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

rechts und unten: T. latifolia var. leucophylla HR2186, Rio Chancay, 900m, CajamarcaT. latifolia var. leucophylla, 1200m, Cajamarca

 

 

 

 

T. latifolia var. leucophylla wurde, so wie die oberhalb abgebildete T. lymannii, ausschließlich im Sta-Cruz- Tal in Nordperu gefunden. Die Pflanzen wachsen auf senkrechten Felsen in einer Höhe zwischen 600 m und 1200 m.

Diese Form wächst unheimlich langsam, und es ist anzunehmen, dass auch an ihrem Heimatstandort mit den extrem geringen Niederschlägen die großen Exemplare, wenn sie zur Blüte kommen, mehrere Jahrzehnte alt sind.

T. latifolia var. leucophylla, 1200m, Cajamarca

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Mit zunehmender Höhe wird es  auf den Andenabhängen feuchter, und besonders im nördlichen Teil des Landes befand sich T.dudleyi, 3100m, Cuzcoursprünglich unterhalb der Gipfelregion ein kühler, feuchter Nebelwald, auf der westlichen Kordillerenkette nur im nördlichen Teil des Landes, am Andenostrand aber die Hänge bedeckend und in den warm- feuchten Regenwald des Amazonasbeckens übergehend.

T. dudleyi im Nebelwald oberhalb Calca, 3100m, Cuzco

 

Gerade die Nebelwälder gehören zu den am meisten gefährdeten Biotopen - das luftige, angenehme Klima und die ausreichende Feuchtigkeit ziehen immer neue Siedler an, immer größere Waldflächen werden abgebrannt und sogar Steilhänge zu Viehweiden und Äckern umgewandelt, und von der vielfältigen,  auf dieses Klima angewiesenen Epiphytenvegetation ist nach wenigen Jahren kaum mehr etwas übrig.
 

 

 

 

 

links : Nebelwaldreste in einer Schlucht an der Passhöhe Abra Chanchillo, 3400m, Depto. Amazonas

 

 

Es wird ja auch immer trockener, wenn erst einmal der Wald weg ist.

Die rasch fortschreitende Vernichtung des Regenwaldes im Amazonasbecken ist ja allgemein bekannt, und Peru ist hier leider keine Ausnahme.

T.ionochroma, 3000m, Piura

Racinea tetrantha, 3400m, Amazonas

 

 

links außen: T. ionochroma im Nebelwald oberhalb Huancabamba (1978!), 3200 m, Piura, Nordperu.

 

 


links: eine Standortform von Racinea tetrantha mit auffallender Pseudobulbe auf Restbeständen eines ehemaligen Nebelwaldes, nunmehr Weideland, Abra Chanchillo, 3400m, Amazonas, Nordperu.

 

 

Mit dem ständig zunehmenden Bevölkerungsdruck steigen aber auch anderswo die Probleme,  zum Beispiel durch die extreme Überweidung auch karger Regionen. Weite Gebiete weisen bereits eine gewaltige Bodenerosion auf, was sich besonders an den dichter besiedelten Abhängen zum Pazifik an der Westkordillere bemerkbar macht.

 

Dagegen haben sich viele der innerandinen Täler in den letzten Jahrzehnten kaum verändert.

Die Bevölkerung hier ist zu ärmlich, noch sehr mit ihren Traditionen verbunden und zum Teil auch bis in die jüngste Zeit durch innenpolitischen Terror so belastet, dass die Technisierung und die damit oft auch verbundene Zerstörung der Natur- bzw. der alten Kulturlandschaft bisher nur langsam vor sich gegangen sind.

rechts: beschwerlich und oft auch gefährlich sind die Wege vom Hochland in die Täler; hier eine der wichtigen Straßen von Huamachuco nach Osten in Richtung Amazonasbecken, Depto. La Libertad.

 


 

links : Trockental am Río Chamaya in Nordperu, am Fluss unten 500 m hoch.

 

 

 

 

links : T. hildae HR23027 mit ihren eindrucksvoll gebänderten Blättern, und
T. ecarinata
HR23020 auf Felswänden oberhalb des Rio Chamaya, 600m, Piura, Nordperu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

T. balsasensis, 1200m, Cajamarca

 

rechts : Bougainvillea peruviana auf den Hängen im Tal des Río Marañon bei Balsas, 1600 m Depto. Cajamarca.

 

 

 

links : T. balsasensis HR4202 und Submatucana myriacantha mit ihren leuchtend gelborangen Stacheln an einer steilen Felswand
oberhalb des Ortes Balsas am Rio Maranon, 1400m, Amazonas, Nordperu

 

 


 

 

links : die "Restaurants" am Hauptplatz des kleinen Ortes Balsas am Río Marañon,
1200 m, Depto. Amazonas;
hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein!

 

 

 

 

Die auf den steilen Hängen häufig terrassierten Felder und die immer noch intakten Bewässerungkanäle stammen aus der Inkazeit.
Viele der Landbewohner scheinen auch noch so zu leben wie damals, und die meisten Häuser in den kleinen Orten sehen aus, als ob sie hunderte Jahre alt wären. Oft sind sie verlassen, denn der Zustrom in die Slums der Städte hält weiter an.

 

T. latifolia v. divaricata, 2800m, Ancash

 

 

 

 

 

 

 

 

    

links : T. latifolia var. divaricata und T. aurea HR4219 auf Weberbauerocereus albus bei Masin, 3000 m, Ancash;
T. aurea ist bisher nur von einem kleinen Abschnitt im Tal des Rio Puccha bekannt.

 

rechts : eine ebenso seltene, noch kleinere Verwandte dieser Art aus dem nördlicher gelegenen Marañon-Tal bei Balsas wurde als T. aurea var. minor beschrieben;
ihre Blüten sind weniger ansehnlich, aber eigenartig (Foto rechts).

 

Die Böden sind zu karg, als dass sich, mit Ausnahme der kleinen Flecken Schwemmlandes an manchen Flüssen, eine Landwirtschaft größeren Stils, oder überhaupt ertragreiche Landwirtschaft betreiben ließe, und zumeist sind auch die Hänge zu steil und felsig.

Außerdem fehlt die Feuchtigkeit, da die Wolken den Regen schon im Hochland entlassen, und die Fallwinde in die Täler hinunter sich erwärmen und damit trocken werden.

Auf den Felsen und den zumeist laubabwerfenden Bäumen in den Trockentälern, oft auch auf Säulenkakteen finden sich eine ganze Anzahl Tillandsien und graue Vriesea- Arten.

T. paleacea ssp.apurimacensis f.disticha, 2500m, Apurimac

 

rechts : T. paleacea ssp. apurimacensis fa. disticha, WT182,
vom Oberlauf des Rio Pachachaca, 2700m, Apurimac, Südperu

 

T.cacticola, 2000m, Cajamarca


Wie auch aus anderen Ländern bekannt, sind die epiphytischen
Tillandsienarten, die Bäume, Büsche und auch Säulenkakteen bewohnen, zumeist mit wenig Abweichungen weit verbreitet. Zu ihnen gehört zum Beispiel T. cacticola, die fast ausschließlich epiphytisch wächst.

 

 

 

 

rechts : T. cacticola HR2099b, Tal des Rio Crisnejas, 2000 m, Cajamarca

 

 

 

 

Es gibt aber speziell in Peru mit seinen tiefeingeschnittenen, durch hohe Gebirgsmassive voneinander isolierten Tälern auch baumbewohnende Arten und Varietäten, die nur ein kleines Areal in einer bestimmten Höhenlage besiedeln, wie zum Beispiel T. reuteri, T. aurea und T. aurea var. minor

 

 

rechts : eine Seltenheit ist die schöne T. reuteri aus dem Utcubamba- Tal,
Depto. Amazonas; ein Relikt auf Schattenbäumen in Kaffeeplantagen ?

 

 


Bei felswachsenden Arten ist dieses Phänomen ja bekannt. Die meisten sind auf ein ganz kleines Gebiet beschränkt, auf wenige Felswände eines einzigen Tales, manche sind sogar auf nur einer einzigen Felswand endemisch.

 

 

 

 

Zu diesen seltenen Arten mit sehr kleinem Verbreitungsgebiet gehören in Peru zum Beispiel T. balsasensis, T. spiraliflora, T. (Vriesea) curvispica, T. krahnii und einige in neuerer Zeit entdeckte Arten aus der Verwandtschaft von T. tectorum:


 

links : T. tomekii und ihr Standort,

 

unten: die Polster von T. stellifera bestehen aus vielen kleinen Einzelpflänzchen; Ancash, 3000 m.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ebenfalls ein Neufund war T. lithophila, Prov. La Libertad, Nordperu

 

Diese und die übrigen bisher bekannten Arten aus der Verwandtschaft von T. tectorum aus Peru und Ekuador werden im  Sonderheft 5  der Deutschen Bromeliengesellschaft behandelt.  

Kontaktadressen für Interessierte: http://www.dbg-web.de/Sonderheft5.htm,

http://www.dbg-web.de/publikationen.htm 

oder dbg-geschaeftsstelle@dbg-web.de

 

 

 

 

Links: Puya raimondii ist die größte Bromelie; ihr Blütenstand kann bis zu 12 m hoch werden; Quebrada Pachacoto, Cordillera Blanca, 4500 m, Zentralperu

 

Unten: "Anden- Edelweiß" (Culcitium canescens) mit Huascarán, 6768 m, Weiße Kordillere, Ancash.

 

 

 

last modified 08. 02. 2007


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