LISTE

Österreichische Stalin-Opfer (bis 1945)

Name: Hoppe Gustav
Name russisch: Гоппе Густав Иосифович
Geboren: 1874, Rumänien
Beruf: Tischler
Letzter Wohnort in Österreich: Wien
Ankunft in Russland/Sowjetunion: 03.11.1935
Wohnorte in der Sowjetunion: Moskau, Kujbyšev
Verhaftet: 29.11.1937, Moskau
Anklage: Spionage
Urteil: 10.12.1938, Entlassung mangels Tatbestandes
Emigrationsmotiv: KP-Emigration
Schicksal: freigelassen
Kurzbiografie: Gustav Hoppe wurde 1874 in Rumänien als Sohn eines Gärtners geboren. Mit zwölf Jahren musste er sein Elternhaus verlassen (er hatte zahlreiche Geschwister), um sich selbst zu erhalten. Er wollte Maler werden, jedoch fehlten ihm die Schulkenntnisse. Er versuchte sich dann als Bildhauer und lernte gleichzeitig das Tischlerhandwerk. Mit 15 Jahren nahm er erstmals an einer politischen Versammlung teil. Als Revolutionäre wurden Gustav Hoppe und sein Bruder Josef Hoppe nach dem Bauernaufstand 1907 verhaftet und des Landes verwiesen. Sie wurden illegal über die österreichisch-ungarische Grenze geschafft, obwohl sie rumänische Staatsbürger waren. Über Czernowitz, wo sie etliche Monate in einer Möbelfabrik arbeiteten, gelangten sie nach Wien, wo sie wieder Arbeit in einer Möbelfabrik fanden. Sie betätigten sich in der SDAP und ab 1918 in der KPÖ. Gustav Hoppe leitete die Propagandaabteilung der KPÖ in Wien-Margareten und nahm mit Bewilligung der Partei an der Ungarischen Räterepublik teil, musste fliehen und war dann Kontaktmann der illegalen rumänischen KP in Wien sowie Aktivist der Roten Hilfe. 1924 wurde er von der österreichischen Polizei wegen kommunistischer Aktivitäten erstmals verhaftet. Nach zwei Monaten im Gefängnis erhielt er fortan nur mehr eine jeweils mit sechs Monaten befristete Aufenthaltserlaubnis. Dutzende Male wurde seine Wohnung von der Polizei durchsucht. Obwohl nichts gefunden wurde, wurde Gustav Hoppe 1935 verhaftet, dann nach sieben Monaten im Gefängnis ohne Gerichtsverhandlung entlassen und aus Österreich ausgewiesen. Mit Unterstützung der KPÖ und der Roten Hilfe konnte er nach Russland ausreisen, wohin er im November 1935 gelangte. Es gelang den beiden Brüdern, ihre 1500 Bände umfassende Bibliothek von Wien nach Moskau zu transportieren. Die Sammlung, die "konterrevolutionäre" und anarchistische Bände beinhaltete, wurde beschlagnahmt und aussortiert, die Brüder durften nur die schöngeistigen Werke behalten. Gustav Hoppe arbeitete dann als Tischler in einer Moskauer Möbelfabrik und erhielt 1936 die sowjetische Staatsbürgerschaft. Am 29. November 1937 wurde er verhaftet und der Spionage beschuldigt. Am 10. Dezember 1938 wurde er mangels strafbarer Tatbestände freigelassen. Er wurde 1941 nach Kujbyšev (Samara) evakuiert, wo er als Sprecher beim Rundfunk arbeitete. Gustav Hoppe ist wahrscheinlich während der Evakuierung gestorben.
Quelle: Parteiarchiv der KPÖ, RGASPI, GARF
Anmerkung: