DM ist ein Syndrom von Krankheiten des Glukosestoffwechseln mit chronischer Hyperglykämie. DM-II ist eine typische Wohlstanderkrankung.
Von einem (klinisch manifesten) DM spricht man bei Vorliegen von Nüchtern-Blutzucker-Werten über 6,7·mmol/l (>120·mg/dl) bzw. 2-Stunden-Blutzuckerwerten von über 10·mmol/l (>180·mg%) venös bzw. über 11,1·mmol/l (>200·mg/dl) kapillär im oralen Glukose-Toleranztest.
Damit lässt sich folgende grundsätzliche Einteilung treffen:
Unter 10% der Diabetes-Fälle
Autoimmunerkrankung mit selektiver Zerstörung der insulinproduzierenden B-Zellen des Pankreas ==> absoluter Insulinmangel.
Auftreten v.a. in der Kindheit (4.-5. LJ.) und in der Adoleszenz (12.-14. LJ.)
Familiäre Disposition (HLA-DR3 und -DR4) und ein exogener Faktor (ev. Coxsackie B-Virus, Röteln, Mumps) ==> "Insulitis" durch Tc-Lymphozyten (CTL) gegen B-Zellen des Pankreas (Typ-IV-Reaktion) und AK gegen Zytoplasma-Ag der Inselzellen, sowie AK gegen Insulin (Typ-II-Reaktion)
In der Folge fehlt nun Insulin, daher kann einerseits keine Glucose mehr in
die Zellen (Muskulatur, Gehirn) aufgenommen werden, andererseits entfällt der
hemmende Einfluss auf die Glukoneogenese in der Leber. Außerdem sinkt durch
Insulinmangel die Proteinsyntheserate ab, wodurch vermehrt glukoplastische AS in
der Leber angeschwemmt werden, was ebenfall die Glukoneogenese fördert.
Durch das Fehlen von Insulin fällt auch der hemmende Einfluss auf die
Triglyceridlipase weg, was zu einer gesteigerten Lipolyse mit vermehrtem Anfall
freier Fettsäuren und in Folge zu rascher b-Oxydation
in der Leber führt. Im Lynen-Zyklus wird anfallendes Acetyl-CoA in Ketonkörper
(Azetazetat) umgewandelt, da der Krebs-Zyklus durch den hohen Substratanfall
überlastet ist.
Infolge des Insulinmangels können aber die anfallenden Ketone in der Muskulatur
nicht verwendet werden, es kommt zur Ketoazidose.
etwa 85-95% der Diabetes-Fälle
In 60% besteht eine familiäre Anamnese mit Diabetes-Erkrankungen. Adipositas fördert die Entwicklung eines DM-II.
Auftreten meist nach langen Jahren der Fehlernährung (meist > 40. LJ.). Eine Ausnahme ist der "maturity-onset diabetes of youth" (MODY)
Immer noch viele in Ordnung erscheinende B-Zellen. In 80% Inselamyloid um die Inselkapillaren
Ähnlich wie beim Typ-I-Diabetes, allerdings kommt es nicht zur Ketoazidose. Typ-II-Diabetiker sind häufig adipös (im Ggs. zu Typ-I-Diabetikern).
Da meist noch ausreichend B-Zellen vorhanden sind, sollte Diät reichen. Sulfonylharnstoffe stimulieren die Insulinsekretion.
Durch Anstieg des Glukosespiegels im Blut kommt es zu Folgeschäden:
Durch exzessive Bildung von Ketonkörpern entsteht eine Azidose, diese hemmt die Na+/K+-ATPase, wodurch Kalium im ERZ akkumuliert ==> Hyperkaliämie (hyperkaliämische Azidose).
Infolge der osmotische Diurese durch Glukose gehen Na+ und K+ mit der Tubulusflüssigkeit verloren ==> Exsiccose
==> relative Hypovolämie und Hyperkaliämie ==> Gefahr: Nierenversagen, Apathie, reduzierter Muskeltonus, abgeschwächte Reflexe
Kussmaul-Atmung zur Kompensation der Azidose ==> respiratorische CO2-Verluste.
Keine Azidose! ==> Normale Alkalireserven, keine Ketonurie
Kann auch bei Diabetes insipidus auftreten, wenn nicht ausreichend Flüssigkeit zugeführt wird.
Die vorhandene Insulinmenge reicht noch aus, um eine extreme Lipolyse zu verhindern (bei DM-II).
Dadurch ist aber eine wesentlich stärkere Hyperglykämie (> 500mg/dl) möglich. Da die Nierenschwelle aber bei etwa 180 mg/dl liegt, sind starke Wasserverluste bis zu 10 l/Tag möglich.
Folgen:
- Polyurie mit "geringen" Na+-Verlusten. Das Gesamt-Na+ ist zwar verringert, durch die Diurese entsteht aber eine relative Hypernatriämie ==> hypertone Dehydration
- ==> Hypovolämie ==> Kreislaufzentralisierung == Niereninsuffizienz, Bewusstseinsstörung, Schock, Hirnschädigung
Durch gesteigerte Glykolyse ist das Pyruvat / Laktat erhöht. Laktat wird normalerweise im gesunden Herzen und in der Leber metabolisiert, bei Hypoxie oder Leberschäden reichert sich das Laktat allerdings an (Anstieg bis auf 7 mmol/l , normal 1,3 mmol/l)
Symptome:
Übelkeit, Bauchschmerzen, Hyperventilation, später Koma
Die Blutglukose kann hierbei normal, erniedrigt oder erhöht sein.
==> Hypertonie, Angina pectoris, periphere Durchblutungsstörung, zerebrale Insulte
Durch die Glykosilierung der Basalmembran kommt es zur Verdickung derselben und schließlich zur Anreicherung von Kollagen Typ IV. Die Basalmembranverdickung behindert die O2-Diffusion ==> Synthese von Prostazyklin sinkt, TX-A2 -Synthese steigt sinkt ==>
Die Kombination aus Mikroangiopathie, Polyneuropathie und Atherosklerose führt zu Durchblutungsstörungen, die aufgrund fehlender Schmerzsymptomatik oft unterschätzt werden:
Augen:
Atherosklerose:
Nervensystem:
sonstiges: